Flüchtlinge Trump will Syrer heimschicken

Sie fliehen vor dem Bürgerkrieg, doch Donald Trump sieht in syrischen Flüchtlingen Terroristen. Der republikanische Präsidentschaftsanwärter sagt: "Wenn ich gewinne, gehen sie zurück."

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Donald Trump ist nicht gerade bekannt für Sanftmut in Einwanderungsfragen - das hat der Bewerber für das US-Präsidentenamt erneut bestätigt. Wenn er gewählt werde, sagte der Milliardär bei einer Veranstaltung in New Hampshire, würde er alle syrischen Flüchtlinge in den USA in ihr Heimatland zurückschicken - sie könnten schließlich getarnte Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" sein. Er sage den Menschen aus Syrien, so der Unternehmer: "Wenn ich gewinne, gehen sie zurück."

Ein Großteil der Flüchtlinge, die derzeit nach Europa kommen, stammt aus Syrien. Sie fliehen vor Bürgerkrieg und IS-Terror. Seit einiger Zeit wächst der Druck auf die USA, ebenfalls Hilfesuchende aufzunehmen. US-Präsident Barack Obama hatte sich Anfang September dazu bereit erklärt, im Haushaltsjahr 2016 10.000 Syrern die Einreise zu ermöglichen. International war das als zu wenig kritisiert worden.

Republikaner Trump hatte sich zwischenzeitlich selbst dafür ausgesprochen, Syrer aufzunehmen. "Ich hasse die Vorstellung", sagte er vor einigen Wochen, aber aufgrund der "ungeheuren humanitären Katastrophe" müsse man mehr Menschen ins Land lassen. Jetzt hat er es sich offenbar anders überlegt - und vermutet hinter der großen Flüchtlingszahl einen "taktischen Trick" der Terroristen.

Ban ruft zu globaler Solidarität auf

Im Gegensatz zu Trump ruft Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon zu einer weltweiten Kraftanstrengung auf. "Wenn wir globale Solidarität haben, dann können wir diese tragischen Szenen überwinden", sagte Ban in New York bei einer Sondersitzung am Rande der Uno-Vollversammlung. Er bedankte sich dabei ausdrücklich bei der Bundesregierung für ihre "überzeugende und anteilnehmende Führungsstärke". Für Deutschland nahm Außenminister Frank-Walter Steinmeier an dem Treffen teil.

Die einzige Chance zur Lösung der Krise liege in "globaler Zusammenarbeit", sagte auch die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. "Europa fühlt sich bei diesem Thema unter Druck." Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras rief zu "mehr europäischer Kooperation" auf. "Wir können es schaffen, wenn wir zusammenhalten", mahnte der österreichische Präsident Heinz Fischer.

Orbán will weltweite Quoten

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán forderte weltweite Quoten für die Verteilung von Flüchtlingen. "Europa wird nicht in der Lage sein, diese Last alleine zu tragen", sagte er. Angesichts des Andrangs von Flüchtlingen bestehe die Gefahr, dass der Kontinent "destabilisiert" werde, warnte der rechte Politiker, der seit Jahren in der Flüchtlingsfrage eine harte Linie vertritt.

"Das ist keine Flüchtlingskrise", sagte Orbán. "Das ist eine Massenmigrationsbewegung", die aus Wirtschaftsflüchtlingen, Asylsuchenden und "ausländischen Kämpfern" bestehe. Die Migrationsbewegung sei "unkontrolliert und unreguliert". Ziel müsse letztlich sein, dass die Flüchtlinge wieder in ihre Heimatländer zurückkehren und nicht "mit einem neuen Leben in Europa versorgt" würden.

Ungarn war in den vergangenen Wochen zu einem der Brennpunkte der Flüchtlingskrise geworden, nachdem Hunderttausende Menschen aus Krisenländern wie Syrien, dem Irak und Afghanistan über den Balkan einreisten. Viele von ihnen reisten von Ungarn weiter nach Deutschland. Die Behandlung der Menschen in Ungarn stieß in der EU ebenso auf Kritik wie die Errichtung eines Grenzzauns zu Serbien und Kroatien.

kev/AFP/AP/dpa/Reuters



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