Appell von EU-Ratspräsident Tusk an Flüchtlinge "Kommen Sie nicht nach Europa"

"Riskieren Sie nicht Ihr Leben und Ihr Geld. Es ist alles umsonst." Mit deutlichen Worten hat EU-Ratspräsident Donald Tusk sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge vor der Einreise in die EU gewarnt.

Flüchtlinge aus Afghanistan in Idomeni
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Flüchtlinge aus Afghanistan in Idomeni


EU-Ratspräsident Donald Tusk hat vor dem Sondergipfel zur Flüchtlingskrise einen Appell "an alle potenziellen illegalen Wirtschaftsmigranten" gerichtet.

"Wo auch immer Sie herkommen: Kommen Sie nicht nach Europa", sagte Tusk am Donnerstag bei einem Besuch in Athen. "Glauben Sie nicht den Schmugglern. Riskieren Sie nicht Ihr Leben und Ihr Geld. Es ist alles umsonst."

Griechenland werde ebenso wie jeder andere EU-Mitgliedstaat "nicht länger Transitland" sein, sagte Tusk nach einem Gespräch mit dem griechischen Regierungschef Alexis Tsipras. Die Schengenregeln würden "wieder in Kraft treten" - und sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge damit an den Außengrenzen gestoppt. Der "Durchwinkeprozess" werde aufhören.

Der ehemalige polnische Regierungschef warb erneut für die vom EU-Gipfel im Februar verlangte Rückkehr zum Schengensystem mit einem wirksamen Schutz der Außengrenzen - was aber in Griechenland seit Monaten nicht funktioniert.

Tusk nutzte seinen Besuch auch für Kritik an Österreich und den Ländern der Balkanroute, die ihre Grenzen weitgehend dichtgemacht haben, sodass Zehntausende Flüchtlinge in Griechenland gestrandet sind: "Unilaterale Entscheidungen ohne vorherige Abstimmung - wie verständlich auch immer sie im nationalen Kontext sein mögen - stehen im Widerspruch zum europäischen Geist der Solidarität."

Zuvor hatte Tusk bei einem Besuch in Slowenien mit Blick auf die nationalen Grenzsicherungen noch gesagt, manchmal seien "leider härtere Maßnahmen erforderlich".

Wegen der weitgehenden Schließung der Balkanroute sitzen in Griechenland derzeit rund 23.000 Flüchtlinge fest. Am Mittwoch hatte Mazedonien etappenweise 250 irakische und syrische Flüchtlinge aus Griechenland über die Grenze gelassen. Es waren die ersten, seit die Polizei am Grenzübergang Idomeni am Montag gewaltsame Grenzübertritte mit Tränengas gestoppt hatte.

Video: Flüchtlinge in Idomeni

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Lesen Sie hier eine Reportage von Raniah Salloum aus Idomeni.

Das sind die neuen Routen, über die Flüchtlinge jetzt nach Nordeuropa geschleust werden:

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL)

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