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Flüchtlinge im Nordirak: Entwicklungsminister Müller fürchtet Tausende Wintertote

Flüchtlinge in Syrien: Entwicklungsminister Müller fordert Hilfe vor dem Winter Zur Großansicht
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Flüchtlinge in Syrien: Entwicklungsminister Müller fordert Hilfe vor dem Winter

Ein EU-Sonderbeauftragter soll für die syrischen Bürgerkriegsflüchtlinge zuständig sein. Das fordert Entwicklungsminister Gerd Müller. Er warnte vor Tausenden Wintertoten.

Brüssel - Entwicklungsminister Gerd Müller befürchtet Tausende Wintertote im Nordirak. "Es schneit, es regnet, die Menschen sterben. Es besteht keine Möglichkeit, noch länger zu warten", sagte der CSU-Politiker am Rande eines Treffens mit europäischen Amtskollegen in Brüssel. In Syrien herrscht seit 2011 Bürgerkrieg. Fast 3,6 Millionen Menschen werden bis zum Ende des Jahres vor der Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) in die Nachbarstaaten geflohen sein, auch in die Krisengebiete im Nordirak.

Die EU müsse dringend eine "Sondermilliarde" für Flüchtlinge bereitstellen und in Winterquartiere für heimatlose Menschen in und um Syrien investieren. "Ich möchte nicht, dass wir erst die ersten Tausend Wintertote im Nordirak haben, bevor gehandelt wird", sagte Müller. Schätzungen zufolge braucht etwa eine Million Menschen noch vor dem Winter dringend Hilfe.

Der Entwicklungsminister wies gleichzeitig darauf hin, dass Deutschland bereits 650 Millionen Euro an Hilfen für die Region mobilisiert habe und zudem vergleichsweise viele Flüchtlinge aufnehme. "Wir brauchen eine gerechte Verteilung der nach Europa kommenden Flüchtlinge. Es kann nicht sein, dass vier oder fünf Staaten sozusagen 90 Prozent der Flüchtlinge aufnehmen", kritisierte Müller.

Müller: "Es fehlt nur der politische Wille"

Um den Flüchtlingen einen größeren Stellenwert einzuräumen, fordert er die Ernennung eines EU-Sonderbeauftragten. Der solle auch "Fluchtursachen dort bekämpfen, wo die Not entsteht". Am besten wäre das Amt aus seiner Sicht in der Behörde der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini angesiedelt. Müller schloss auch nicht aus, dass der griechische EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos den Posten übernehmen könne. "Ich habe da keine Präferenzen. Wer vorausgeht, hat meine volle Unterstützung."

Neue Mittel der Mitgliedstaaten seien dazu nicht nötig, die EU habe diese Gelder in bestehenden Töpfen, sagte der Minister. "Es fehlt nur der politische Wille, das jetzt auch dort einzusetzen, wo es dringend nötig ist." Es sei "dramatisch", dass etwa das Welternährungsprogramm nur noch bis Dezember Geld habe, um Nahrungsmittelhilfe zu leisten. Die EU müsse deshalb angesichts der Tragödie vor ihren Toren "Flagge zeigen".

Die Konflikte in Syrien und im Irak haben Millionen Menschen in die Flucht getrieben. Das Flüchtlingsprogramm der Vereinten Nationen hatte die Lebensmittelversorgung für 1,7 Millionen Syrien-Flüchtlinge vorübergehend gestoppt, weil ihm das Geld ausgegangen war. Wenige Tage später wurde die Hilfe wieder aufgenommen, nachdem durch Zahlungen von Regierungen, Unternehmen, aber auch durch private Spender die notwendigen Millionensummen zusammengekommen waren.

isa/dpa/AFP

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Usa
archback 12.12.2014
Wie wär's denn, wenn die Amerikaner und deren Koalition der willigen hier die Verantwortung übernehmen. Die haben schließlich einen Staat mit gut funktionierender Infrastruktur zerstört.
2. Politisches Dummgeschwätz
gallihalli 12.12.2014
Anstatt zuzuschauen, wie ein ganzes Volk seiner Heimat vertrieben wird und diese Menschen in aller Welt unterzubringen, sollte diese Sch-EU mal lieber mit den Amis ein paar Hundertausend Soldaten mit Erlaubnis zum Absschuß ohne "Menschlichkeitsfanatismus" hinschicken und ISIS platt machen. Wenn man natürlich den Barbaren, die Mord, Folter, Terror und Sklaverei betreiben, lieber mit Humanität und Zuckerbrot statt mit Härte und Vergeltung entgegen kommt, wird man den Terror nie beenden. Jemand vom Schlage eines Cäsar, Napoleon oder ähnlichen, die man nicht nennen darf, hätten diesen fanatischen Abschaum schon längst beseitigt und würden nicht nur dumm schwätzen und der Völkervertreibung zuschauen. Wo sind Politiker, die Handeln statt nur schau zu laufen???
3. ich nicht, du....
cobaea 12.12.2014
Zitat von archbackWie wär's denn, wenn die Amerikaner und deren Koalition der willigen hier die Verantwortung übernehmen. Die haben schließlich einen Staat mit gut funktionierender Infrastruktur zerstört.
Wie wär's wenn alle etwas täten, statt daneben zu stehen und mit dem Finger auf die anderen zu zeigen: "Erst du", "Nein, erst du" Immer schön im Kreis rum und derweil sterben die Menschen. Die Schuldzuweisung sollte in dieser Situation einfach mal aussen vor bleiben. Zumal im Nordirak nicht vor allem innerirakische Flüchtlinge kein Dach über dem Kopf haben, sondern syrische. Am syrischen Bürgerkrieg sind zwar westliche Unterstützer nicht ganz unschuldig, aber prinzipiell ist ees erst einmal ein Bürgerkrieg.
4.
humpalumpa 12.12.2014
Zitat von archbackWie wär's denn, wenn die Amerikaner und deren Koalition der willigen hier die Verantwortung übernehmen. Die haben schließlich einen Staat mit gut funktionierender Infrastruktur zerstört.
Exakt. Und das nicht zum ersten Mal! Ich bin dafür, dass Europa GESAMT den Flüchtlingen sofort hilft. Aber bitte Alle und nicht nur 5 Länder. Und danach gibts ne Rechnung für die USA. Die kann sie sich dann mit den Saudis teilen! Wetten, dass nix passiert und wir bald in den Nachrichten von den ersten Wintertoten lesen, dicht gefolgt von einem Artikel über die Budgetfreigabe für einen Zusatzterminal für BER oder Ähnliches?
5. könnte nicht
mauser 12.12.2014
eine online-aktion gestartet werden, von Leuten, die sich mit sowas auskennen, und dann eigenverantwortlich Hilfsgüter in den Nordirak bringen? Das ist gefährlich, ich weiß, aber durch Bürgerinnitiativen ist schon Vieles bewerkstelligt worden. Dann würden sich vielleicht auch Stellen einschalten, die die Sachen dorthin bringen... Vielleicht zu idealistisch gedacht, aber da muss doch verdammt nochmal was getan werden, und nicht erst übermorgen!
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