Lesbos, Mazedonien, Röszke Mit Knüppeln gegen Flüchtlinge

Die griechische Insel Lesbos ist überfordert mit der hohen Zahl der Flüchtlinge. Immer wieder gibt es Ausschreitungen - vor allem an der Fähre Richtung Festland. Auch in Mazedonien und Ungarn gab es Gewalt gegen Flüchtlinge.


Die Insel Lesbos hat gerade mal 85.000 Einwohner - und nun noch 15.000 Flüchtlinge dazu. Die Lage ist extrem angespannt, denn täglich kommen neue Migranten hinzu. Zu Gewaltausbrüchen kommt es immer wieder vor der Fähre Richtung Piräus: Die Plätze sind begehrt - und begrenzt. So kam es auch in der Nacht zum Dienstag wieder zu Ausschreitungen zwischen Flüchtlingen und Sicherheitskräften.

Rund 6000 Menschen versuchten, auf die "Eleftherios Venizelos" zu gelangen. Die Fähre kann aber höchstens 2500 Menschen aufnehmen. Augenzeugen berichteten, dass die Polizei Schlagstöcke einsetzte, um die Flüchtlinge daran zu hindern, auf das überfüllte Schiff zu gelangen. "Bleibt zurück!", riefen die Beamten, um die Menge zu stoppen.

"Ich bin seit acht, neun Tagen hier, mein Gott, ich kann mich nicht mal erinnern", sagte der Syrer Aleddin, ein Ingenieurstudent, der nach Deutschland gelangen will. "Einige Menschen harren hier seit 14 oder 15 Tagen aus. Die Regierung kümmert sich nicht um uns."

"Einer Explosion nahe"

Der für Einwanderung zuständige Minister Giannis Mousalas warnte am Montag, Lesbos sei "einer Explosion nahe". Die örtlichen Behörden könnten die Situation kaum noch bewältigen.

Zur Entlastung der Inselhauptstadt Mytilini sollten die Menschen in Kürze von einem zweiten Hafen im Ort Sigri aus zum griechischen Festland gebracht werden, sagte Mousalas weiter. "Wir hoffen, dass die Einwohner und die Flüchtlinge in den kommenden fünf Tagen Zeichen der Besserung sehen können."

In Griechenland kamen dieses Jahr bereits mehr als 230.000 Flüchtlinge an. Nach Lesbos kommen besonders viele Menschen von der nahen türkischen Küste. Schon in den vergangenen Tagen gab es auf der ägäischen Insel gewaltsame Zusammenstöße zwischen der Polizei und Flüchtlingen sowie zwischen verschiedenen Flüchtlingsgruppen. Am Sonntag wurden zwei 17-jährige Inselbewohner unter dem Verdacht festgenommen, in einem Park in Mytilini zwei Brandflaschen auf schlafende syrische Familien geworfen zu haben.

An der mazedonischen Grenze haben erneut Polizisten mit Knüppeln auf Flüchtlinge eingeschlagen. Dabei wurden laut einem AFP-Fotografen mindestens drei Flüchtlinge verletzt. Allein am Montag überquerten mehr als 2000 Flüchtlinge von Griechenland aus die Grenze nach Mazedonien. 8000 weitere warteten in angespannter Atmosphäre auf der griechischen Seite.

Flucht aus Röszke

Von Seiten des mazedonischen Innenministeriums hieß es, bei solch großen Menschenmengen gebe es naturgemäß Rempeleien. Die Polizei müsse einschreiten, um eine Eskalation der Lage zu verhindern. Die Ankömmlinge versuchten so schnell wie möglich zu Bussen und Zügen in Richtung Norden nach Serbien zu gelangen.

Seit Sonntag verließen 5000 Flüchtlinge und Migranten das Aufnahme- und Registrierungszentrum in Gevgelija auf der mazedonischen Seite der Grenze. Die mazedonischen Behörden stellten nach Polizeiangaben seit dem 19. Juni fast 65.000 Passierscheine aus. Die meisten Flüchtlinge, viele von ihnen aus Syrien, wollen über Serbien in das EU-Land Ungarn und von dort aus in andere EU-Staaten gelangen.

Im ungarischen Aufnahmelager Röszke kam es ebenfalls erneut zu Auseinandersetzungen. 200 Flüchtlinge brachen dort aus und marschierten Richtung österreichische Grenze los. Die Polizei setzte schließlich Tränengas ein. Nach 15 Kilometern konnte die Polizei die Flüchtlinge überreden, sich mit Bussen zurück in das Lager bringen zu lassen.

SPIEGEL ONLINE

ler/AFP/dpa

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