Flüchtlingshilfe Griechenland beantragt 470 Millionen Euro von der EU

Griechenland rechnet bald mit 100.000 gestrandeten Flüchtlingen - und fordert 470 Millionen Euro von der EU, um die Menschen zu versorgen. Regierungschef Tsipras droht erneut mit einer Blockade des EU-Gipfels.

Flüchtlinge am Grenzzaun von Idomeni, Griechenland
AFP

Flüchtlinge am Grenzzaun von Idomeni, Griechenland


Wegen der geschlossenen Nordgrenze zu Mazedonien wird die Lage in Griechenland immer dramatischer: Jetzt hat das Land seine Prognose der Flüchtlingszahlen drastisch erhöht - und die Europäische Union um Finanzhilfen in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro gebeten.

Nach der Schließung der Grenze zu Mazedonien rechnet Athen damit, dass in den kommenden Tagen mehr als 100.000 Migranten in Griechenland festsitzen könnten. Wegen des erwarteten Zuzugs aus der Türkei hat die griechische Regierung nun ein EU-Hilfspaket in Höhe von 470 Millionen Euro beantragt, berichtete der griechische Fernsehsender ANT1. Auch andere Medien nannten diesen Betrag.

Damit soll es möglich sein, etwa 50.000 Menschen in Aufnahmelagern und weitere 50.000 in einfachen Hotels unterzubringen. Es würden insgesamt 8200 Polizisten und zivile Mitarbeiter benötigt, um die Flüchtlinge zu registrieren und für Verpflegung, Gesundheit und Sicherheit zu sorgen.

Griechische Soldaten bauen Lager für 20.000 Menschen

Am Montag war es zu dramatischen Szenen im griechischen Grenzort Idomeni gekommen, als Hunderte Verzweifelte versuchten, den Grenzzaun zu überwinden. Die mazedonischen Sicherheitskräfte schossen Tränengaspatronen in die Menge und vertrieben sie von der Grenzlinie.

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Flüchtlingskrise: Drama an der Grenze
Um die Situation in Idomeni zu entschärfen, baut das griechische Militär derzeit sieben neue Lager für mehr als 20.000 Menschen. An der Grenze warten inzwischen mehr als 8000 Flüchtlinge auf ihre Weiterreise. Das Flüchtlingshilfswerk der Uno (UNHCR) warnt, es fehlten Unterkünfte, Wasser und Nahrungsmittel. Die Organisation befürchtete Spannungen, die zu weiteren gewalttätigen Aktionen führen könnten.

Tsipras pocht auf gleichmäßige Verteilung von Flüchtlingen

Bereits am Wochenende hatte die griechische Regierung berichtet, mindestens 25.000 Menschen seien im Land, die eigentlich weiter in Richtung Norden wollten. Griechenlands Migrationsminister Giannis Mouzalas hatte da noch die Zahl von 70.000 gestrandeten Flüchtlingen für den Monat März prognostiziert.

Unterdessen hat Regierungschef Alexis Tsipras angekündigt, er werde unbedingt auf einer gleichmäßigen Verteilung von Flüchtlingen in allen Staaten der Europäischen Union bestehen. Andernfalls werde er keinem Beschluss beim Gipfeltreffen zwischen EU und Türkei am 7. März zustimmen, sagte Tsipras in einem Interview des griechischen Fernsehsenders Star.

In der griechischen Hafenstadt Piräus wurde am Dienstag wieder die Ankunft von gut tausend Migranten von den Ägäisinseln erwartet. Sie hatten in den vergangenen Tagen aus der Türkei übergesetzt, teilte die Küstenwache mit. In der Ostägäis herrschen zurzeit starke Winde. Der Flüchtlingszuzug habe deshalb etwas nachgelassen, sagte ein Offizier der Küstenwache.

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL)

cht/dpa/Reuters

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 66 Beiträge
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ka117 01.03.2016
1. Huh...
Gott sei Dank sind es nur 470 Millionen. Es hätte auch eine halbe Milliarde sein können. Wo man bei Griechenland schon gewohnt ist, in "Milliarden" zu zählen.
jh2015 01.03.2016
2. Versagen schon im letzten Jahr
Jetzt beginnt man langsam einzusehen, dass man eine EU Abstimmung nicht ohne Griechenland machen kann!? Fr.Merkel hat mit Erdogan den falschen "Helfer" auserkoren , besser waere es gewesen, schon letztes Jahr im Rahmen der Finanzverhandlungen das ja bereits bekannte Fluechtlingsthema mit zu beruecksichtigen. Aber man wollte ja lieber schulmeistern. Spaeter wird immer teurer.
frank2013 01.03.2016
3. Das steht Griechenland zu
Wenn Griechenland die Außengrenze zu sichern hat und in Schengen bleiben möchte, muss es von der EU abzüglich seines Anteils auch Hilfen bekommen, entsprechend der Größe des Problems. Griechenland muss dann den Zustrom aushalten, da es an der Außengrenze liegt. Das musste Lampedusa aushalten, das musste zuletzt Deutschland aushalten, jetzt ist Griechenland dran und es bedarf selbstverständlich massiver Hilfe, sofort! Dort, wo die Flüchtlinge ankommen, müssen sie nach echten Flüchtlingen und anderen Migranten aufgeteilt und entsprechend gehändelt werden. Ein Durchwinken geht nicht mehr und sollte wie jetzt auch verhindert werden. Wenn die unregistrierten Migranten sich in Europa erst mal selbst verteilen, ist es zu spät und man hat ein Dauerproblem.
themistokles 01.03.2016
4.
Zitat von ka117Gott sei Dank sind es nur 470 Millionen. Es hätte auch eine halbe Milliarde sein können. Wo man bei Griechenland schon gewohnt ist, in "Milliarden" zu zählen.
Häme und Spot sind in diesem Zusammenhang völlig unangebracht. Griechenland leistet einen herausragenden Beitrag und fordert völlig zurecht Unterstützung.
derjuergie 01.03.2016
5. Hier haben die Griechen
mal ausnahmsweise Recht. Was ist das für eine elende Politik der EU und Merkel die Probleme der Flüchtlingskrise auf Griechenland abzuwälzen, ein Land welches seine eigenen Probleme nicht in Griff bekommt. Liebe Griechen wehrt euch mit allem was ihr habt und entlarvt diesen Haufen von Bürokraten und Maden die nur an ihre eigenen Fleischtöpfe denken. Und das schlimmste ist, wenn man den Umfragen Glauben schenken darf das Merkel wieder an Beliebtheit bei den Deutschen gewonnen hat. Das ist alles nicht mehr zu glauben und lässt einen beinahe verzweifeln.
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