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Steigende Flüchtlingszahlen: Griechenland hofft auf Anti-Schmuggler-Einsatz der Nato

Bundeswehrschiff "Bonn" (Archivbild): Bald im Überwachungseinsatz gegen Schleuser in der Ägäis Zur Großansicht
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Bundeswehrschiff "Bonn" (Archivbild): Bald im Überwachungseinsatz gegen Schleuser in der Ägäis

Vier Nato-Kriegsschiffe vor der türkischen Küste sollen Flüchtlinge abschrecken und Schleuserboote aufklären. Griechenland erhofft sich davon stark sinkende Flüchtlingszahlen - denn die Lage spitzt sich dramatisch zu.

Griechenland hofft, dass durch die Überwachungsmission mit Nato-Kriegsschiffen im Mittelmeer vor der türkischen Küste bald weniger Flüchtlinge auf dem Seeweg ins Land gelangen.

Um bis zu 70 Prozent könne die Zahl der Neuankömmlinge in Griechenland sinken, wenn Nato-Schiffe zwischen den griechischen Inseln und der Türkei in Position sind, sagte der griechische Migrationsminister, Giannis Mouzalas, dem Fernsehsender Mega.

Schon bald sollen die Kriegsschiffe des westlichen Verteidigungsbündnisses gegen Flüchtlingsschleuser im Mittelmeer vorgehen. Direkt eingreifen sollen sie nicht, vielmehr werden sie aktuelle Radarbildern von erspähten Flüchtlingsbooten an die türkische Küstenwache senden. Die soll die Boote dann aufhalten, bevor sie überhaupt abgelegt haben.

Griechenland rechnet mit 70.000 "festsitzenden" Flüchtlingen

Das Kalkül beinhaltet, dass die auf der Fluchtroute nach Griechenland liegenden großen Militärschiffen auf die Flüchtlinge abschreckend wirken. Zu der Operation des ständigen Flottenverbands der Nato gehören je eine türkische, griechische und kanadische Fregatte und das deutsche Versorgungsschiff "Bonn". Von der "Bonn" aus wird der Einsatz koordiniert.

In dem Interview sagte Mouzalas außerdem, er rechne damit, dass in Griechenland im März bis zu 70.000 Flüchtlinge "festsitzen werden". Bislang war ein Großteil der Flüchtlinge über mehrere Balkanländer weiter nach Mitteleuropa gereist. Weil Mazedonien und weiter nördlichen gelegene Länder entlang der Balkanroute nach und nach ihre Grenzen schließen, staut es sich in Griechenland.

6500 Menschen hängen an mazedonischer Grenze fest

Derzeit hielten sich bereits "22.000 Flüchtlinge und Migranten" im Land auf, so der Minister. Andere Quellen sprechen von aktuell 25.000 Menschen, die weiter nach Norden wollten, aber nicht könnten. Die Kapazitäten der griechischen Aufnahmelager sind erschöpft. Griechenland sei "ein einziger großer Hotspot", heißt es laut Nachrichtenagentur AFP aus der griechischen Regierung.

Allein nahe dem Grenzortes Idomeni sitzen derzeit 7000 Menschen fest, mazedonische Grenzer ließ am Samstag nur 300 Menschen passieren. Die Regierung in der Hauptstadt Skopje hatte jüngst eine restriktive Grenzregelung beschlossen. Flüchtlinge aus Afghanistan werden gar nicht mehr, Iraker und Syrer erst nach verschärften Kontrollen ihrer Papiere eingelassen.

Die italienische Regierung rechnet damit, dass die Blockade der Balkanroute zu einer Verlagerung des Problems führen wird. "Es gibt Anzeichen, dass die Flüchtlinge neue Wege suchen, um nach Mitteleuropa zu gelangen", sagte Finanzminister Pier Carlo Padoan den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Indirekt gab Mouzalas Deutschland und Österreich die Schuld an der misslichen Lage seines Landes. "Wir haben keine Grenzen geöffnet", sagt er. "Hätten die Länder Mitteleuropas sie nicht eingeladen, wären die Flüchtlinge nicht nach Griechenland gekommen."

cht/dpa/AFP

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