Flüchtlingskrise Griechische Armee soll Hotspots errichten

Griechenland sollte längst fünf Hotspots für ankommende Flüchtlinge errichtet haben - doch das Land hinkt den Plänen hinterher. Nun hat die Regierung in Athen eine Lösung gefunden.

Ankunft von Flüchtlingen auf Lesbos (Archivbild): Plan für Brüssel
DPA

Ankunft von Flüchtlingen auf Lesbos (Archivbild): Plan für Brüssel


Nach monatelangen Verzögerungen und wachsendem Druck der EU-Partner will Griechenland eine einfache Lösung gefunden haben, wie es seine Grenzen sichern und die vereinbarten Hotspots errichten kann: Die Armee soll es richten.

Das Büro von Ministerpräsident Alexis Tsipras teilte am Sonntag mit, dass die Regierung sich am Wochenende nach einer Sitzung mit den beteiligten Ministerien darauf verständigt habe. Die Lösung will Tsipras beim nächsten EU-Gipfel in Brüssel im Februar präsentieren und als Erfolg verbuchen.

In der Theorie bremsen und lenken die Hotspots den Zug der vielen Flüchtlinge nach Norden. Sicherheitsrisiken werden durch schnelle Identifikation und Registrierung der Ankommenden gesenkt - Fingerabdrücke inklusive. Wer keine Chance auf Schutz hat, wird abgewiesen, der Rest in Europa verteilt. Soweit die Theorie.

Denn bislang hat Griechenland auf der Insel Lesbos nur eins der fünf Aufnahmezentren für Flüchtlinge voll in Betrieb genommen. Widerstand aus der Bevölkerung und fehlende Finanzmittel haben ähnliche Einrichtungen auf vier anderen griechischen Inseln (Samos, Chios, Kos und Leros) bisher verhindert.

Die weiteren Aufnahmezentren auf den Inseln und zwei Verteilungszentren auf dem Festland (Athen und Thessaloniki) sollen nun innerhalb der kommenden zwei Wochen errichtet werden, so der Plan.

Als Maßnahmen dafür kündigte das Verteidigungsministerium nun an:

  • Koordinatoren für eine befristete Zeit auf den fünf Inseln einzusetzen,
  • mit weiteren Kräften und Knowhow bei der Errichtung der Hotspots zu helfen,
  • Kochgelegenheiten einzurichten,
  • und die Einrichtung von lange geplanten Lagern auf dem Festland: nahe Thessaloniki und Athen für jeweils 4000 Flüchtlinge

Die größten Probleme bei der Errichtung der Hotspots soll es der Nachrichtenagentur dpa zufolge auf der Insel Kos geben. Dort weigern sich die Lokalbehörden, einen geeigneten Ort zur Verfügung zu stellen.

Mehr zum Thema: Videoreportage aus Lesbos: "Es ist eine Schande"

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