Grenzschutz in Calais Großbritannien baut Mauer am Eurotunnel

In Calais warten Tausende Migranten, die durch den Eurotunnel nach Großbritannien wollen. Eine vier Meter hohe Betonmauer soll sie nun stoppen.

Dschungel von Calais: Aus dem Zaun wird eine Mauer
Getty Images

Dschungel von Calais: Aus dem Zaun wird eine Mauer


Britischen Grenzschützern zufolge versuchten 2015 gut 84.000 Migranten, in Lastwagen oder zu Fuß durch den Eurotunnel unter dem Ärmelkanal nach England zu gelangen. Häufig scheitert der Versuch. Immer wieder endet das Vorhaben tödlich, wenn die Menschen von Lastwagen stürzen oder unter die Fahrzeuge geraten.

Großbritannien will nun die Sicherung der Tunneleinfahrt im Hafen der französischen Stadt Calais massiv verstärken - und dafür auch die Kosten für den Bau einer vier Meter hohen Betonmauer übernehmen. Der britische Einwanderungsminister Robert Goodwill sagte dem britischen "Telegraph": "Wir werden sehr bald damit beginnen, eine große neue Mauer zu bauen. Wir haben den Zaun gebaut, jetzt bauen wir eine Wand." Der Mauerbau von Calais ist Teil eines 20-Millionen-Euro-Pakets, das die Briten gemeinsam mit Frankreich zum verstärkten Grenzschutz planen.

Die knapp 2,4 Millionen Euro für die Mauer steuert Großbritannien bei. Die Barriere soll etwa einen Kilometer lang werden und an beiden Seiten der Straße stehen, die zum Hafen führt. Sie soll verhindern, dass Migranten den Verkehr anhalten, um auf Lastwagen oder andere Fahrzeuge aufzuspringen, bevor sie auf französischer Seite in den Tunnel einfahren. Bislang patrouillieren bereits mehr als tausend französische Polizisten entlang der Straße und an der Einfahrt zum Hafen und am Tunnel. Abgeschottet ist das Gebiet bislang mit einem stacheldrahtbewährten zweireihigen Zaun, siehe Video:

Becky Weatherley/Reuters

Die Innenminister von Frankreich und Großbritannien, Bernard Cazeneuve und Amber Rudd, hatten am 30. Juli in Paris erklärt, Sicherheitsvorkehrungen und Sperranlagen in den kommenden Monaten zu verstärken. Damit solle "die lebenswichtige wirtschaftliche Verbindung" erhalten bleiben und zugleich der "Migrationsdruck gesenkt werden", hieß es in der gemeinsamen britisch-französischen Erklärung.

Im sogenannten Dschungel von Calais, einer Art Slum in der französischen Hafenstadt unweit der Tunneleinfahrt, harren derzeit nach Schätzungen von Hilfsorganisationen 9000 Flüchtlinge aus, die mehrheitlich versuchen wollen, auf die britischen Inseln zu gelangen.

cht/AP

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