Flüchtlinge in Röszke Entwürdigende Szenen in ungarischem Camp

Die Flüchtlinge leben im Dreck, leiden Hunger und werden schlecht medizinisch versorgt: Laut Human Rights Watch ist die Situation in Ungarns Camps katastrophal. Ein Video zeigt nun, wie Polizisten Brötchen und Wasserflaschen in eine Flüchtlingsmenge werfen.

REUTERS

Mit deutlichen Worten hat Human Rights Watch (HRW) die Zustände in den ungarischen Erstaufnahmelagern an der Grenze zu Serbien kritisiert. Die Situation vor Ort sei "entsetzlich", teilte die Menschenrechtsorganisation mit. "Die in Röszke Internierten werden unter dreckigen, überfüllten Bedingungen festgehalten, sind hungrig und entbehren medizinischer Versorgung", sagte HRW-Nothilfe-Direktor Peter Bouckaert. Die ungarischen Behörden hätten die Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass "Migranten und Asylbewerber menschlich behandelt und ihre Rechte respektiert werden".

Tausende Flüchtlinge aus Nahost, Südasien und Afrika überqueren auf ihrem Weg in die Mitte Europas täglich die serbisch-ungarische Grenze. Die ungarische Polizei bringt alle Flüchtlinge, die sie aufgreift, in improvisierte Zeltlager nahe dem Grenzort Röszke, um sie dort zu registrieren. Die Prozedur in den heillos überfüllten Aufnahmelagern kann mehrere Tage dauern.

Die ungarischen Behörden lassen keine Journalisten und so gut wie keine Vertreter von Menschenrechtsorganisationen in die Lager. HRW stützte seine Kritik nach eigenen Angaben auf Videos, die der Organisation zur Verfügung gestellt wurden, sowie auf die Aussagen von Flüchtlingen, die in den Lagern gewesen waren.

In einem der Videos sind Polizisten zu sehen, die wie bei einer Tierfütterung Brötchen und Wasserflaschen in die Menschenmenge werfen. Eine kontrollierte Essensausgabe gibt es offensichtlich nicht.

Ungarn steht für seine harte Flüchtlingspolitik international in der Kritik. Unter anderem lässt die Regierung von Premier Viktor Orbán einen 175 Kilometer langen Zaun an der Grenze zu Serbien bauen. Am kommenden Dienstag will das Kabinett in Budapest entscheiden, ob der Krisenfall ausgerufen wird. Dann dürfte jeder illegale Einwanderer in Ungarn "sofort verhaftet" werden, wie Orbán erklärte.

kev/dpa

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