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Autokonvoi Budapest-Wien: Privatleute holen Flüchtlinge von der Straße

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Autokonvoi von Budapest nach Wien: Schienenersatzverkehr Fotos
REUTERS

170 Autos sind am Sonntagmittag in Wien losgefahren - ihr Ziel: Ungarn. Die Fahrer wollen Flüchtlinge aufsammeln und über die Grenze bringen. Doch der Konvoi ist nicht ungefährlich.

"Wer einen Kindersitz hat, soll ihn mitnehmen. Schmerzmittel und warme Kleidung sind auch gefragt", postete Erzsébet Szabó am Sonntagmorgen auf ihrer Facebook-Seite.

Szabó, die ihrem Profil zufolge aus der ungarischen Hauptstadt Budapest stammt und in Wien lebt, hat einen privaten Autokonvoi von Österreich nach Ungarn organisiert. Das Motto: "Schienenersatzverkehr für Flüchtlinge". Das Ziel: so viele Menschen wie möglich schnell über die Grenze zu bringen.

Am späten Sonntagvormittag ging es los: "170 Autos fuhren um elf Uhr in Wien los", berichtet Szabó SPIEGEL ONLINE am Telefon. Das erste Ziel war die ungarische Stadt Györ, die freiwilligen Helfer brachten den Flüchtlingen Lebensmittel und Hygieneartikel.

"Einige von uns haben bereits Flüchtlinge auf der Straße aufgesammelt und bringen sie jetzt im Auto nach Österreich", sagt Szabó. Die anderen Autos teilten sich auf: Ein Teil ist nun am Sonntagnachmittag auf dem Weg nach Budapest, andere fahren zur serbisch-ungarischen Grenze.

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Flüchtlinge: Dramatische Szenen an der serbisch-ungarischen Grenze
Die Regierung in Wien kündigte unterdessen ein Ende der Maßnahmen an, mit denen Flüchtlingen die unbürokratische Einreise von Ungarn nach Österreich und Deutschland erlaubt wurde. Zudem werde es auch wieder stichprobenartige Personenkontrollen an der Grenze zu Ungarn geben, sagte Bundeskanzler Werner Faymann nach Gesprächen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und einem Telefonat mit Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán. Wann damit konkret begonnen werden soll, blieb noch unklar.

An diesem Wochenende haben laut Innenministerium in Wien etwa 14.000 Flüchtlinge die Grenze von Ungarn aus überquert. Am Freitagabend hatten ungarische Busse die Menschen an die österreichische Grenze gebracht, Österreich und Deutschland erklärten sich daraufhin spontan bereit, die Flüchtlinge ausnahmsweise ohne bürokratische Hürden und Kontrollen einreisen zu lassen. Bahnen und Sonderzüge wurden eingesetzt, die meisten Menschen wollten nach Deutschland. Seit Samstag erreichten nach offiziellen Angaben bereits rund 13.000 Flüchtlinge die Bundesrepublik.

Nach Angaben der österreichischen Polizei sind bis Sonntagnachmittag weniger Flüchtlinge über die ungarisch-österreichische Grenze in Nickelsdorf eingereist als am Vortag. Die österreichische Bahn ÖBB will daher die Sonderzüge zum Transport der Migranten einstellen.

Allerdings gibt es keine Informationen der ungarischen Behörden, wie viele Menschen noch unterwegs sind. Es könnten Hunderte oder noch Tausende sein, sagt ein Sprecher der österreichischen Polizei Burgenland. Viele Flüchtlinge sind offenbar zu Fuß unterwegs.

"Überall Hunderte Flüchtlinge"

Diese Erfahrung machte auch der private Hilfskonvoi. Auf dem Weg seien die Fahrer bereits "überall Hunderten Flüchtlingen" begegnet, sagt Szabó. Ihre Bitte an die Behörden: "Menschlichkeit kennt keine Grenzen, wir bitten die ungarischen und österreichischen Behörden, uns freies Geleit für unsere Hilfsaktion zu gewähren."

Wie der Österreichische Rundfunk ORF auf seiner Internetseite berichtete, gilt in Ungarn - im Unterschied zu Österreich - der Tatbestand "Menschenschmuggel" bereits dann als erfüllt, wenn "bei der Grenzüberschreitung Hilfe an mehreren Personen geleistet wird". Dieser Tatbestand könne mit Freiheitsentzug von bis zu fünf Jahren bestraft werden, hieß es demnach aus dem Außenministerium in Wien. Auch Vorbereitungshandlungen für "Menschenschmuggel" könnten mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren geahndet werden, mindestens möglich sei eine sofortige Festnahme sowie die Beschlagnahmung der Autos.

Am Freitag waren dem ORF zufolge in Budapest vier Aktivisten aus Wien vorübergehend wegen des Verdachts der Schlepperei angehalten und auf eine Polizeistation gebracht worden. Alle vier seien laut Außenministerium am selben Tag wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

"Niemand hat uns bisher an unserer Fahrt gehindert", sagt Szabó. Die Aktivistin hatte ihren Aufruf am Freitag zunächst zurückgezogen. Damals schrieb sie auf Facebook: "Angesichts der momentanen Entwicklungen in Ungarn können wir nicht mehr verantworten, dazu aufzurufen nach Budapest zu fahren und Flüchtlinge nach Österreich zu holen. Die Verhaftung von Menschen wegen Verdacht auf Schlepperei oder die Vorgänge in Bicske zeigen, dass das Vorgehen Ungarns sich in den nächsten Tagen noch verschärfen wird."

Diese Sorge habe sie nun nicht mehr, sagt Szabó am späten Sonntagnachmittag. Dann muss sie schnell auflegen. Weiterfahren.

Die Autorin auf Twitter:

Im Video: Flüchtlingshilfe in München

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Mit Material von Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 90 Beiträge
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1.
professorA 06.09.2015
Wollen die nicht vielleicht vor allem sicher stellen, dass die illegalen Zuwanderer möglichst schnell aus Ungarn verschwinden? Wenn ihre Intentionen wirklich humanitär wären, dann hätten sie die Leute erst einmal bei sich aufgenommen, bis sich die Lage geklärt hat.
2. Was? Man darf zu diesem Thema diskutieren?
praetor300 06.09.2015
Prinzipiell ist die private Fluchthilfe ja eine gute Idee. Aber Straftat bleibt Straftat. Helft den Flüchtlingen lieber anders. Vor allem durch Druck auf die Politik, das Übel bei der Wurzel zu packen und Fluchtgründe zu beseitigen. Druck auf die Politik, den Brandstifter USA in seine Schranken zu verweisen. Druck auf die Politik, beispielsweise innerhalb der EU aus freiwilligen Flüchtlingen Exil-Armeen aufzustellen und auszurüsten. Das haben die Exilanten im Weltkrieg auch getan. Und dann in den Heimatländern Frieden erzwingen. Luftunterstützung und Logistik aus Europa, boots on the ground durch Freiwillige. Druck auf die Türkei, die Kurden in Ruhe zu lassen. Druck auf die Politik, die Korruption im Kosovo, in Mazedonien und in Albanien endlich ernsthaft zu bekämpfen, statt die lokale Mafia mit EU Geldern zu pimpen. Bürger, geht auf die Straße und zwingt die Politik zu ehrlichem Handeln!!! Und behandelt die Flüchtlinge menschlich!
3. Sichere Drittländer ...
rkinfo 06.09.2015
Der ganze Treck nach Deutschland ist doch absurd da eh kein Asyl bei Einreise über sichere Drittländer gewährt wird. Nachdem aber jetzt ein EU-Verteilungsschlüssel im Gespräch ist der eh Deutschland hohe Zahlen zuordnet könnte man auch seitens der Bundesregierung 'Aufsammeltouren' initiieren. Es macht wenig Sinn Flüchtlinge aus Italiens Läger nach Deutschland zu exportieren während Andere sich auf einer ermüdenden Tour durch Europa befinden. Die harte Realität bei der Sache wird aber bleiben dass wir nur Hilfe wg. islamischen Bürgerkrieg in Syrien leisten können. Asyl haben alle gemäß GG 16a verwirkt die allein schon über die Türkei kommen. Steigt der Druck auf die deutsche Regierung den islamistischen Krieg in Syrien zu beenden. Jeder Monat Krieg da unten kostet uns bald 2-4 Mrd. € Hilfsgeld - da kann man auch Milan oder Leo II runter bringen und die Sache zubeenden ?
4. Zivilcourage oder Anarchie ?
lemmy 06.09.2015
Ich nenne das schon Anarchie. Recht und Gesetz werden hier quasi täglich außer Kraft gesetzt. Ob das der Alleingang des Bamf in der letzten Woche, der Alleingang von Merkel am Samstag, die Vorwürfe an Ungarn, Aussetzung von Dublin und Schengen war: So what? Bislang war die politische Strategie "was interessiert mich mein dummes Geschwätz von gestern ?". Heute sind wir schon einen Schritt "weiter": "Was interessieren mich nationale und internationale Regeln und Gesetze?". Jeder macht jetzt das was er will. Heute so, morgen so. Ist doch eh alles egal ?! Sorry, mir nicht. Und ich hoffe, ich bin damit nicht alleine.
5. Ich fühle mich angeregt...
der_bulldozer 06.09.2015
... schnell einen Autokonvoi zu organisieren, mit dem komfortabel und menschenwürdig die Menschen wieder nach Ungarn odder Österreich gebracht werden. Ich würde damit einen wichtigen Beitrag zur Einhaltung geltenden Rechts (Z.B. Dublin II) leisten.
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