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Flüchtlinge auf dem Mittelmeer: Menschen sterben, die EU schaut weg

Wieder sind Hunderte Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken, die EU gerät in Bedrängnis. Hilfsorganisationen fordern endlich Konsequenzen, damit sich eine solche Tragödie nicht wiederholt.

Es ist eine der schlimmsten Flüchtlingstragödien der vergangenen Jahre: Im Mittelmeer sind vermutlich wieder Hunderte Menschen ertrunken, nachdem vor der libyschen Küste ein voll besetztes Boot kenterte. Im Oktober 2013 waren vor der italienischen Insel Lampedusa bereits mehr als 360 Menschen ertrunken.

Das neue Unglück setzt die Europäische Union unter Handlungsdruck. Die Uno hatte bereits am Mittwoch mehr Einsatz der EU gefordert, jetzt verstärken Hilfsorganisationen ihre Kritik. Die italienische Operation "Mare Nostrum" zur Rettung schiffbrüchiger Flüchtlinge müsse wieder aufgenommen werden, forderte Jan Egeland, ehemaliger Vizegeneralsekretär für Humanitäre Angelegenheiten bei der Uno und jetzt Generalsekretär des norwegischen Flüchtlingsrates. "Mare Nostrum" müsse "als kollektive europäische Anstrengung" zurückkommen, fordert er in der britischen Zeitung "Guardian".

Das Mittelmeer sei weltweit die gefährlichste Grenze zwischen Staaten, die im Frieden miteinander lebten, schreibt Egeland. Die EU müsse mit ihren Ausreden aufhören und handeln, "um noch größere Tragödien als die, die wir bereits erlebt haben, zu verhindern".

Die EU hatte "Mare Nostrum" im Oktober 2014 auslaufen lassen. Der Nachfolgeeinsatz "Triton" steht unter der Leitung der EU-Grenzschutzagentur Frontex. Anders als "Mare Nostrum" dient er weniger der Rettung von Flüchtlingen, sondern dem Schutz der EU-Außengrenze.

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Flüchtlinge: Gestrandet in Italien
Italien forderte erneut mehr Unterstützung der EU-Partner. "Die Überwachung und die Hilfsmaßnahmen im Meer lasten zu 90 Prozent auf unseren Schultern", sagte Außenminister Paolo Gentiloni der Zeitung "Corriere della Sera". "Das Problem ist europäisch, aber die Medizin ist italienisch, das geht nicht." Die EU müsse auch mehr in den Ursprungsländern der Flüchtlinge tun.

Ähnlich äußerte sich auch Michael Diedring, Generalsekretär des Europäischen Flüchtlingsrates. "Unsere Forderungen nach EU-Such- und Rettungsmaßnahmen im Mittelmeer sind auf taube Ohren gestoßen", kritisierte er. Die Europäische Union müsse jetzt Beschlüsse fassen.

Die britische Wohltätigkeitsorganisation Save the Children kündigte für diesen Donnerstag eine Kampagne an: Die Parteien in Großbritannien werden darin aufgefordert, Such- und Rettungseinsätze in die europäische Agenda zur Migration aufzunehmen.

Italien ist am meisten vom Ansturm der verzweifelten Menschen betroffen. Fast 10.000 Menschen wurden nach Angaben der italienischen Küstenwache innerhalb weniger Tage auf See gerettet. Italiens Kommunen und Regionen warnen, keine Flüchtlinge mehr aufnehmen zu können. "Wir sind am Ende unserer Kräfte", sagte Giuseppe Geraci, Bürgermeister der kalabrischen Stadt Corigliano Calabro. "Wenn morgen weitere Migranten ankommen, können wir keine Unterstützung mehr garantieren."

Die Uno hatte am Mittwoch dazu aufgerufen, Rettungseinsätze im Mittelmeer zu verstärken. Dass erneut Hunderte von Menschen auf der Flucht ertrunken seien, demonstriere, "wie wichtig eine robuste Seenotrettung im zentralen Mittelmeer ist", sagte der Uno-Hochkommissar für Flüchtlinge, António Guterres.

als/dpa/AFP

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