Per Boot nach Spanien Mehr Flüchtlinge auf Gibraltar-Route

Die meisten Flüchtlinge aus Afrika kommen in Italien an. Aber auch Spanien wird immer wichtiger: 2017 wählten Tausende den Weg über die Straße von Gibraltar.

Flüchtlinge rennen am Strand von Cádiz an Land (10. August)
Carlos Sanz/ AP/ DPA

Flüchtlinge rennen am Strand von Cádiz an Land (10. August)


Die Internationale Organisation für Migration (IOM) sieht bei der Flucht aus Afrika in Richtung EU einen neuen Trend: Seit Jahresanfang haben die Überfahrten über die westliche Mittelmeerroute über die Straße von Gibraltar zugenommen.

Die IOM verzeichnete fast 8200 Neuankömmlinge in Spanien und damit mehr als im gesamten Jahr 2016. Die Zahl geborgener toter Migranten auf der Gibraltar-Route hat sich laut IOM im Vergleich zum Vorjahr von 15 auf 31 verdoppelt. Dutzende gelten als vermisst.

Eine Prognose des Osloer Instituts für Friedensforschung basierend auf Angaben des Uno-Flüchtlingshilfswerks und Spaniens Innenministeriums deutet darauf hin, dass der Trend zu mehr Überfahrten an der Meerenge von Gibraltar 2017 anhalten könnte. An der schmalsten Stelle liegen dort nur 14 Kilometer zwischen dem afrikanischen und dem europäischen Kontinent. Starke Winde, Strömungen und der rege Schiffsverkehr machen die Überfahrt in kleinen Booten allerdings besonders riskant.

Als eine Ursache für die steigenden Zahlen in Spanien gelten laut IOM die Gefahren auf der Route über die Sahara und Libyen. Menschen aus westafrikanischen Ländern würden vermehrt ausweichen und an der Küste entlang über Marokko versuchen, nach Europa zu gelangen. Dafür würden in der Regel kleinere Boote genutzt.

Urlauber an einem Strand in Südspanien waren am Mittwoch von der Ankunft eines Flüchtlingsbootes überrascht worden; die Insassen sprangen heraus und rannten sofort weg. Ein Urlauber filmte die Szene:

REUTERS/Javier Neira

Am selben Tag wurden zwölf Flüchtlinge auf Jetskis vor der spanischen Enklave Ceuta gesichtet. In Tarifa an der Südküste kamen am Donnerstag zehn Flüchtlinge in einem Boot an.

Die mit weitem Abstand am meisten frequentierte Route bleibt allerdings aktuell die nach Italien: Dort trafen seit Jahresbeginn nach Schätzungen bereits mehr als 96.000 Flüchtlinge ein. In Griechenland kamen im gleichen Zeitraum 11.713 Menschen an.

cht/AFP



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