Berichte über Flüchtlingsunglück "Es ist ein Mysterium"

Hunderte Flüchtlinge, hieß es am Montag, sollen im Mittelmeer ertrunken sein. Doch offiziell ist das nicht bestätigt, die Verwirrung ist groß. Was wir über das vermeintliche Unglück wissen - und was nicht.

Flüchtlinge im Mittelmeer
DPA

Flüchtlinge im Mittelmeer


Die Nachricht ging Montag um die Welt: Völlig überfüllte Flüchtlingsboote sollen im Mittelmeer gekentert sein - Hunderte Menschen seien ums Leben gekommen . Eine Tragödie, doch offizielle Bestätigungen? Fehlanzeige. Auch an Tag zwei nach den ersten Berichten über die mutmaßliche Katastrophe bleiben viele Fragen offen. Der Überblick.

Berichte und offene Fragen

Am Montag berichtete der arabische Dienst des britischen Senders BBC über etwa 400 ertrunkene Flüchtlinge im Mittelmeer, die meisten von ihnen Somalier, die sich auf dem Weg nach Europa befanden. Insgesamt seien vier Boote vor der ägyptischen Küste gesunken, hieß es. Italiens Präsident Sergio Mattarella sprach von einer Tragödie, die sich offenbar auf See ereignet habe und bei der mehrere Hundert Menschen gestorben seien.

Die Nachrichtenagentur dpa zitierte am Montag den somalischen Regierungssprecher, dass sich etwa 500 Migranten auf den Booten befunden hätten. "Viele Somalier" seien ums Leben gekommen. International griffen Medien das Thema auf, auch SPIEGEL ONLINE.

Allerdings ist nach wie vor vieles unklar. Belastbare Angaben zum Zeitpunkt oder Ort des Unglücks, zu den Umständen, zur Zahl und Herkunft der Opfer oder zu möglichen Überlebenden gibt es bislang nicht.

Reaktionen der Behörden

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte zwar, er habe ebenfalls von einer Katastrophe gehört. Laut einem Sprecher sei diese Information jedoch unbestätigt. Auch am Dienstag hielten sich die Behörden deshalb mit Bewertungen zurück:

  • Ein Sprecher des UNHCR sagte SPIEGEL ONLINE, dem Uno-Flüchtlingshilfswerk lägen keine konkreten Details zu dem möglichen Unglück vor. Die UNHCR-Sprecherin in Genf , Ariane Rummery, erklärte, eine Mission der Behörde sei auf dem Weg zum möglichen Unglücksort, um dort weitere Informationen zu sammeln.
  • "Es ist wirklich ein Mysterium. Wir können das Unglück weder bestätigen noch dementieren", sagte Flavio Di Giacomo, der Sprecher der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in Italien.
  • Ähnlich hatte sich die EU-Grenzschutzagentur Frontex geäußert.

Verwirrung um weitere Unglücke

Am Montag gab es ebenfalls Berichte über ein weiteres Bootsunglück im Mittelmeer. Nahe der libyschen Küste sei ein Flüchtlingsboot in Seenot geraten. Italienische Rettungskräfte hätten an Bord sechs Leichen gefunden, 108 Migranten seien gerettet worden .

Daneben zitierte die BBC Flüchtlinge im südgriechischen Kalamata, Migranten aus Äthiopien , Somalia , Sudan und Ägypten . Sie sollen zu 41 Überlebenden eines Bootsunglücks im Mittelmeer zählen, bei dem - nach den Angaben der Flüchtlinge - 500 Menschen gestorben seien. Allerdings ist nun davon die Rede, dass die Migranten in der libyschen Hafenstadt Tobruk Richtung Italien gestartet seien - und nicht von Ägypten aus.

Die griechische Küstenwache bestätigte SPIEGEL ONLINE zwar, dass ein Frachtschiff bereits am Samstag die 41 Menschen gerettet hatte. Von Hunderten Toten will die Regierung in Athen jedoch nichts wissen. Ungewiss bleibt, ob es Zusammenhänge zwischen all diesen Berichten gibt.

Warum es kaum Informationen gibt

Bislang ist nicht einmal bekannt, in wessen Hoheitsgewässer sich das Unglück abgespielt haben soll. Erschwerend könnte hinzukommen, dass die Boote, sollte die Nachricht stimmen, möglicherweise in der Nacht gekentert sind. Trotzdem: Hunderte Flüchtlinge sterben im Meer - und kaum jemand bekommt etwas davon mit? Es wäre ein fast unglaublicher Vorgang.

kev/gic/dpa/Reuters

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.