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Großbritannien: Flüchtlinge in Cardiff müssen Erkennungsarmband tragen

Das rote Armband soll die Essensausgabe erleichtern, doch es kennzeichnet Menschen im walisischen Cardiff als Ausländer. Flüchtlinge sprechen einem Medienbericht zufolge von Diskriminierung. Nehmen sie das Band ab, müssen sie demnach hungern.

Asylsuchende im walisischen Cardiff sind laut einem Bericht des britischen "Guardian" gezwungen, jederzeit stigmatisierende rote Armbänder zu tragen. Andernfalls bekämen sie von dem privaten Betreiber der Flüchtlingsunterkunft kein Essen. Das Band diene als Berechtigung, dreimal täglich verpflegt zu werden. Es könne nicht abgenommen werden, ohne dabei kaputt zu gehen.

Flüchtlinge berichteten der Zeitung, sie seien aufgrund der Bänder als Asylbewerber erkannt, bedroht und beleidigt worden. Ein ehemaliger Bewohner sagte, die Zeit in dem Heim sei ihm als eine der schrecklichsten Erfahrungen in seinem Leben in Erinnerung. Er habe es gehasst, das Band zu tragen: "Manchmal habe ich mich geweigert und wurde dann bei der Essensausgabe abgewiesen."

Eine Möglichkeit, sich selbst zu versorgen, haben die Flüchtlinge dem Bericht zufolge nicht: Neuankömmlinge bekommen demnach kein Geld und dürften nicht arbeiten.

Ein anderer Flüchtling sagte, er habe erlebt, wie Autofahrer auf die Armbänder reagierten: "Sie begannen zu hupen und riefen: 'Geht zurück in eure Länder.'" Ihnen seien teils "furchtbare Bemerkungen" entgegengebracht worden. Das Band verdeutliche, so ein weiterer Flüchtling gegenüber dem "Guardian", "dass wir in dieser Gemeinde nicht gleichgestellt sind".

Ein Menschenrechtsaktivist aus dem Sudan bezeichnete das Armband als Diskriminierung: "Sie geben uns das Gefühl, zweitklassige Menschen zu sein." So Gekennzeichnete hätten Angst, sich auf neue Menschen zuzubewegen: aus Furcht, anschließend Probleme zu bekommen.

Auch Flüchtlingsunterstützer kritisierten die Praxis in Cardiff und hätten sie auch gegenüber dem Heimbetreiber thematisiert, heißt es in dem Artikel. Doch bisher habe sich nichts geändert.

Die Betreiberfirma rechtfertigte das Band gegenüber der Zeitung damit, dass es weder durch ein Logo noch durch die Schrift der Unterkunft zuzuordnen sei. Zudem plane der Betreiber in Absprache mit dem Innenministerium mehr Unterkünfte, in denen sich Flüchtlinge selbst verpflegen könnten.

Das Innenministerium vergibt die Aufträge zur Versorgung der Flüchtlinge. Auf Nachfrage des "Guardians" äußerte sich die Behörde nicht zu dem Armband.

sun

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