Griechenland Zahl der Flüchtlinge auf den Ägäisinseln steigt wieder

Mangelnde Hygiene, sexuelle Belästigung, Gewalt: Die Uno hat die Zustände in griechischen Flüchtlingslagern erst kürzlich kritisiert. Jetzt melden die Behörden noch mehr Menschen, die auf den Ägäis-Inseln ankommen.

Flüchtlinge erreichen die griechische Insel Lesbos (Archivbild)
AP

Flüchtlinge erreichen die griechische Insel Lesbos (Archivbild)


Die Lage in den griechischen Flüchtlingslagern verschärft sich wieder. Wie das Migrationsministerium in Athen mitteilte, stieg die Zahl der Migranten auf den griechischen Ägäisinseln bis Ende Oktober auf knapp 20.000. Zuvor war die Zahl bis Mitte des Monats auf etwa 18.000 heruntergegangen.

Grund für die steigenden Zahlen ist offenbar auch fehlendes Personal. Die Bearbeitung der Asylanträge komme nur langsam voran, so das Ministerium.

Seit Mai versuchen die griechischen Behörden, die Aufnahmelager zu entlasten. Dafür wurden bislang mehr als 7000 Migranten zum Festland gebracht. Bei ihnen handelt sich um Menschen, die augenscheinlich Schutz benötigen: Familien, alleinstehende Frauen, Minderjährige sowie Mitglieder religiöser Minderheiten. Allerdings erreichten in der selben Zeit offenbar mehr Menschen die Inseln, als sie wieder verlassen konnten.

Lager auf Samos hat sieben Mal so viele Bewohner wie geplant

Das Flüchtlingshilfwerk der Uno hatte die Zustände auf den Ägäisinseln im August scharf kritisiert. Die Stimmung in den Lagern sei am Siedepunkt, teilte das UNHCR damals mit. "Wir machen uns besonders Sorgen wegen der unangemessenen Sanitäranlagen, Konflikte zwischen frustrierten Gruppen, zunehmender sexueller Belästigung und Gewaltausbrüchen sowie der zunehmenden Notwendigkeit für medizinische und psychosoziale Versorgung."

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Am schlimmsten ist Lage für Flüchtlinge und Migranten derzeit offenbar im Hotspot der Insel Samos. Dort harren zurzeit im Lager von Vathy knapp 5000 Menschen aus - es hat aber nur eine Aufnahmekapazität für 648 Menschen.

Restlos überfüllt sind auch die Lager der Inseln Lesbos und Chios. Nach offiziellen Angaben haben die Flüchtlingslager der fünf Ägäisinseln Platz für 6000 Menschen. Aktuell leben dort mehr als drei Mal so viele.

jpe/dpa/Reuters



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