Flüchtlingscamp Griechenland ordnet Räumung von Idomeni an

Nun also doch: Die griechische Regierung will das Flüchtlingslager in Idomeni räumen lassen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE soll die Polizeiaktion am Dienstagmorgen beginnen.

Polizisten in Idomeni
AP

Polizisten in Idomeni

Von


Die griechische Regierung hat die Polizei damit beauftragt, das provisorische Flüchtlingscamp in Idomeni an der Grenze zu Mazedonien zu räumen. Wie SPIEGEL ONLINE erfuhr, sollen die Beamten am Dienstagmorgen um sechs Uhr mit der Evakuierung beginnen. Die Aktion soll drei Tage dauern.

Ziel ist es, die rund 9000 Menschen in der Zeltstadt in andere, organisierte Einrichtungen in der Gegend um Thessaloniki zu bringen. Dort wären sie besser untergebracht und könnten Gesundheits- wie Asyleinrichtungen schneller erreichen.

Polizisten aus Athen und Thessaloniki werden im Einsatz sein, darunter auch Spezialeinheiten der sogenannten Group of Crime Prevention and Suppression (OPKE). Die Beamten sollen rund um das Lager stationiert werden und es dann schrittweise evakuieren.

Fotostrecke

8  Bilder
Flüchtlingslager: Leben in der Zeltstadt Idomeni

In den vergangenen Monaten hatte die Regierung es stets abgelehnt, das Camp durch die Polizei räumen zu lassen - aus Sorge, bei gewalttätigen Auseinandersetzungen könnten sowohl Flüchtlinge als auch Beamte verletzt werden. Stattdessen wurde versucht, die Menschen im Lager mit einer Kampagne davon zu überzeugen, in andere Einrichtungen zu ziehen.

Doch diese Bemühungen sind bisher gescheitert. Die meisten Flüchtlinge weigern sich, Idomeni zu verlassen. Sie hoffen, dass die sogenannte Balkanroute wieder geöffnet werden könnte, dann wollen sie direkt in der Umgebung sein.

Hoffen auf geringen Widerstand

Die Entscheidung für die Räumung durch die Polizei fiel am späten Sonntagabend, über die letzten Details soll am Montagmorgen beraten werden. Hintergrund sind nicht nur das Scheitern der bisherigen Bemühungen, sondern auch der wachsende Druck durch Opposition und Medien. Zudem ist es am vergangenen Mittwoch zu den bislang heftigsten Auseinandersetzungen zwischen Migranten und der griechischen Polizei in Idomeni gekommen.

Dem Plan zufolge sollen bereits am Montagabend die Zugänge zum Gelände in Idomeni gesperrt werden. Außenstehende wie Journalisten oder Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen müssen das Camp vor der Evakuierung verlassen.

Die Behörden hoffen, dass die Flüchtlinge möglichst wenig Widerstand leisten werden, hieß es aus hochrangigen Polizeikreisen.

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.