Streit um Migranten Italien beschuldigt Malta, Flüchtlinge weiterzuschicken

Sie hätten eigentlich von Malta aufgenommen werden müssen, meint die italienische Regierung: Auf Sizilien hat am Samstag ein Schiff mit mehr als 200 Flüchtlingen angelegt, darunter fünf Babys und sieben Kinder.

Der italienische Innenminister Matteo Salvini
GUILLAUME HORCAJUELO/ EPA-EFE/ REX

Der italienische Innenminister Matteo Salvini


Auf Sizilien ist am Samstagabend ein Schiff mit mehreren Hundert Migranten angekommen, die nach Angaben der italienischen Regierung eigentlich von der maltesischen Küstenwache hätten gerettet werden müssen. Unter den 236 Menschen, die überwiegend aus Eritrea kommen, seien fünf Babys, sieben Kinder und fast 50 Frauen gewesen, teilte das italienische Innenministerium mit.

Ein Tunesier und ein Libyer seien die Kapitäne gewesen, ihnen werde wahrscheinlich vorgeworfen, sich als Schleuser betätigt zu haben. Nur den Frauen und Minderjährigen sei es erlaubt worden, von Bord zu gehen.

Innenminister Matteo Salvini beschuldigte Malta erneut, ankommende Bootsflüchtlinge weiterzuschicken. Zwar koordiniere Malta Rettungseinsätze, verfrachte die Migranten dann aber nach Italien, sagte der Vize-Premierminister und Chef der fremdenfeindlichen Partei Lega. Ein maltesisches Patrouillenboot habe ein Schlauchboot mit 150 bis 200 Migranten im Mittelmeer im Stich gelassen und es Richtung Italien fahren lassen.

Zwischen Italien und Malta gab es in den vergangenen Monaten immer wieder Streit um die Aufnahme von Bootsflüchtlingen. Die seit Juni amtierende Regierung in Rom hat die italienischen Häfen für Bootsflüchtlinge eigentlich gesperrt. Im August etwa saß ein Schiff mit 177 Flüchtlingen tagelang fest, bevor es schließlich doch die Erlaubnis bekam, auf Sizilien anzulegen.

Italien beklagt sich seit längerem, dass es in der Europäischen Union die Hauptlast der Migration trage. Seit 2014 erreichten mehr als 650.000 Menschen die italienische Küste.

hei/dpa

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