Flüchtlinge zurückgelassen? Libyens Regierungschef verteidigt Küstenwache gegen Kritik

Der libyschen Küstenwache wird vorgeworfen, zwei Frauen und ein Kind auf hoher See im Stich gelassen zu haben. Nun wehrt sich der Regierungschef des Landes - und erteilt zudem EU-Flüchtlingszentren im Land eine Absage.

Fajis al-Sarradsch (2016)
AFP

Fajis al-Sarradsch (2016)


Der Chef der international anerkannten libyschen Einheitsregierung, Fajis al-Sarradsch, hat die Küstenwache seines Landes gegen Kritik verteidigt. Zu Vorwürfen, die Küstenwache habe Menschen auf hoher See zurückgelassen, sagte er der "Bild"-Zeitung: "Das sind ungeheure Vorwürfe, die nicht stimmen und von unserer Küstenwache bereits klargestellt wurden. Wir retten jeden Tag Hunderte Menschen vor der Küste Libyens." Das Land brauche aber mehr technische und finanzielle Unterstützung, sagte Sarradsch.

Die spanische Nichtregierungsorganisation Proactiva Open Arms wirft der libyschen Küstenwache vor, bei einem Einsatz in internationalen Gewässern zwei Frauen und ein Kind auf einem Schlauchboot im Stich gelassen zu haben. Eine Frau und das Kind seien verstorben.

Sarradsch forderte im Interview einen globalen Plan, um die Flüchtlingskrise zu lösen. Libyen sei nur das Transitland, das die Menschen für ihre Flucht nutzten. "Wir haben Flüchtlingsunterkünfte für mehrere Zehntausend Menschen geschaffen, aber in unserem Land halten sich mehrere Hunderttausend illegale Migranten auf, was die Sicherheitslage massiv verschlechtert. Darunter sind Terroristen, Kriminelle und Menschenschmuggler."

Auf die Frage, was er von möglichen Ankerzentren in seinem Land halte, sagte Sarradsch: "Nein, das wird es bei uns nicht geben. Wir sind absolut dagegen, dass Europa ganz offiziell bei uns illegale Migranten unterbringen will, die man in der EU nicht haben möchte." Es werde auch "keine Deals mit Geld mit der EU" geben, um illegale Migranten aufzunehmen. Die EU hatte sich bei ihrem Gipfel Ende Juni in Brüssel auf eine Verschärfung ihrer Einwanderungspolitik verständigt.

Video: Flucht übers Mittelmeer - Unterwegs mit libyschen Sicherheitskräften

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aar/dpa

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