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Flüchtlinge in Mazedonien: Panik vor dem Zaun

Flüchtlinge in Mazedonien: Chaos in Gevgelija Fotos
AP/dpa

Die griechische Insel Kos, das französische Calais und jetzt auch das mazedonische Städtchen Gevgelija - an diesen Orten staut sich der Flüchtlingsstrom. Weil Ungarn einen Grenzzaun baut, wird die Lage in Südmazedonien immer chaotischer.

Auf dem Bahnhof der mazedonischen Kleinstadt Gevgelija spielen sich chaotische Szenen ab: Flüchtlinge reichen Kleinkinder durch offene Fenster in Zugabteile. Von Gevgelija, das an der Grenze zu Griechenland liegt, fahren Züge nach Serbien ab. Hunderte Menschen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak drängen in die Waggons. Sie wollen so schnell wie möglich in die serbische Hauptstadt Belgrad und von dort aus weiter nach Ungarn und damit in die Europäische Union.

Wie die griechische Insel Kos oder die französische Stadt Calais am Eurotunnel wird Gevgelija an der Grenze zu Griechenland zum Brennpunkt, an dem das Flüchtlingselend besonders deutlich wird. Grund für die Panik der Flüchtlinge ist Ungarns Ankündigung, einen Zaun an der Grenze zu Serbien zu errichten. Begonnen wurde damit bereits, der Zaun soll Ende August fertig sein. Danach dürfte es für die Kriegsflüchtlinge schwieriger werden, in die Europäische Union zu gelangen und dort Asyl zu beantragen.

Die Flüchtlinge kommen entweder per Boot aus der Türkei nach Griechenland oder auf dem Landweg nach Bulgarien - von wo aus sie nach Mazedonien einreisen.

Da die Route über Mazedonien nicht übers Meer führt, gilt sie als sicherer. Zudem gelten die Züge als billigstes Fortbewegungsmittel, das man nutzen kann, ohne sich Schleusern anzuvertrauen. Mazedonien gewährt Durchreisenden ein Drei-Tages-Transit-Visum.

Ein Vertreter des Roten Kreuzes sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass derzeit täglich 2000 Menschen aus Griechenland nach Mazedonien einreisten, doppelt so viele wie noch vor wenigen Wochen.

Der Bürgermeister von Gevgelija fühlt sich überfordert und von den griechischen Behörden alleingelassen. "Das Problem wurde nicht durch Mazedonien oder Gevgelija geschaffen", zitierte ihn die serbische Nachrichtenagentur Tanjug. "Das Problem ist, dass die Menschen durch einen EU-Staat gereist sind, und das ist Griechenland." Er macht sich inzwischen dafür stark, einen eigenen Grenzzaun zu errichten.

mka/Reuters/AP

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