Mittelmeer Binnen 96 Stunden mehr als 1000 Flüchtlinge aufgegriffen

Mehr als 700 Flüchtlinge vor der italienischen Küste, knapp 300 vor der Küste Nordzyperns: Die vergangenen Tage zeigen, wie bedeutend die Seenotrettung im Mittelmeer ist. Gerade dort will die europäische Politik aber sparen.

REUTERS /Guardia Costiera

Rom/ Nikosia - Die Küstenwache hat vor Nordzypern rund 300 Menschen geborgen, auf dem in Seenot geratenen Schiff drängten sich viele Frauen und Kinder. Die mutmaßlich aus Syrien stammenden Migranten seien am Sonntag in eine Sporthalle der Küstenstadt Girne gebracht und medizinisch untersucht worden, meldete die Nachrichtenagentur Anadolu.

Jedes Jahr versuchen Tausende Flüchtlinge aus dem Nahen Osten und Afrika, über das Mittelmeer in die Europäische Union zu gelangen. Insgesamt mussten Helfer in den vergangenen Tagen mehr als 1000 Bootsflüchtlinge retten, die im Mittelmeer in Seenot geraten waren. Dabei hat Italien die Seenottettungs-Programme aus Kostengründen eingeschränkt.

Laut der Nachrichtenagentur Anadolu war in der Nacht zum Sonntag ein Notruf vor der Küste Nordzyperns abgesetzt worden. Schlechtes Wetter hatte die Rettung behindert, das Schiff trieb stundenlang im aufgewühlten Meer umher. Einer der Flüchtlinge erzählte anschließend, Menschenschmuggler hätten den Migranten versprochen, sie nach Italien zu bringen. Jeder habe dafür umgerechnet rund 5000 Euro gezahlt.

Zwei Schwangere auf einem der Boote

Zuvor hatte die italienische Küstewache zwischen Donnerstagnacht und Freitag bereits 520 Menschen von fünf verschiedenen Booten geborgen, wie die Behörde mitteilte. Weitere 78 Menschen seien von einem Handelsschiff aufgenommen worden. Die Flüchtlinge hatten versucht, die italienische Küste zu erreichen und auf hoher See mit Satellitentelefonen Notrufe abgesetzt.

Sie wurden in den sizilianischen Hafen Porto Empedocle gebracht. Unter den Geretteten sollen sich sechs Schwangere sowie zwei Kinder befinden. Anschließend eilte die Küstenwache einem Handelsschiff zu Hilfe, das rund 110 Kilometer nördlich der libyschen Hauptstadt Tripolis weitere 93 Menschen aufgefasst hatte. Am Samstag rettete die italienische Marine schließlich 98 Menschen, darunter neun Kinder.

Hilfsprogramm für Italien zu teuer

Die vergangenen Stunden zeigen, welche Bedeutung die Seenotrettung im Mittelmeer für die Leben tausender Menschen hat. Dennoch hat die italienische Regierung Anfang des Monats verkündet, aus Kostengründen die "Mare nostrum"-Mission zu beenden. Diese war gestartet, nachdem vor einem Jahr kurz vor der Küste der italienischen Insel Lampedusa ein Schiff mit 545 Menschen an Bord gesunken war. Mehr als 300 der Flüchtlinge ertranken.

Seitdem wurden mithilfe der Mission mehr als 100.000 Menschen vor der Küste Italiens aus der Seenot befreit - und mehr als 140 Millionen Euro investiert. Statt allein Italien zu belasten, soll jetzt eine europäische Gemeinschaftsaktion die "Mare nostrum"-Mission ersetzen. Geplant sind allerdings nur ein Drittel der bisherigen Aufwendungen. Sie soll nicht mehr der sicheren Überfahrt von Flüchtlingen gewidmet sein, sondern vornehmlich der "Identitätsermittlung" und der "Rückkehrpolitik" dienen.

irb/AP/dpa/Reuters

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