Route übers Mittelmeer Italien meldet deutlichen Rückgang der Flüchtlingszahlen

Im August kommen im Vergleich zum Vorjahr 90 Prozent weniger Flüchtlinge in Italien an. Libyens Küstenwache führt das auf intensivere Kontrollen zurück - aber das ist nicht der einzige Grund.

Rettungsschiff im Mittelmeer
AP

Rettungsschiff im Mittelmeer


Noch vor wenigen Wochen nahm die Zahl der Flüchtlinge, die über das Mittelmeer Italien erreichten, zu. Nun hat sich die Lage offenbar komplett geändert: Im Juli und August ist die Zahl der Migranten laut italienischem Innenministerium deutlich zurückgegangen. Im Vergleich zum Vorjahr erreichten allein in diesem Monat demnach knapp 90 Prozent weniger Flüchtlinge die italienische Küste. Bis zum 25. August kamen 2932 Flüchtlinge in Italien an, im Jahr zuvor waren es 21.294.

Der libyschen Küstenwache zufolge sind intensivere Kontrollen im Mittelmeer der Grund für den drastischen Rückgang. Libyen ist derzeit der wichtigste Abfahrtsort für Flüchtlinge, die versuchen über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. In dem Land herrscht nach jahrelangem Bürgerkrieg Chaos. Die Entwicklung bedeutet auch, dass die Migranten im Chaos des Bürgerkriegslandes und in teils unmenschlichen Zuständen festsitzen.

Experten gehen jedoch davon aus, dass der Rückgang der Flüchtlingszahlen auch mit dem Aufkommen einer neuen bewaffneten Gruppe in Libyen zu tun haben könnte, die die Schmuggler am Ablegen hindert. "Wir können nicht sagen, ob es sich um eine lang anhaltende Entwicklung handelt", sagte eine Sprecherin der Internationalen Organisation für Migration (IOM).

Zudem hatte Libyen zuletzt den Druck auf private Retter erhöht. Ein riesiges Gebiet vor der Küste wurde zur "Search and Rescue"-Zone erklärt und Hilfsorganisationen davor gewarnt, dieses Gebiet anzusteuern. Ein italienischer Staatsanwalt behauptet, einige der Rettungsschiffe arbeiteten den Schleppern zu. Gerichtsfeste Beweise gibt es nicht.

In diesem Jahr erreichten insgesamt bislang mehr als 98.000 Flüchtlinge Italien. die Grenzschutzagentur Frontex meldete bereits vor zwei Wochen, die Zahl der Neuankömmlinge sei von Juni bis Juli um 57 Prozent gesunken - der Juliwert sei also so niedrig wie seit 2014 nicht mehr.

vks/dpa

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