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Asylsuchende: Flüchtlingszahl nähert sich schon jetzt der Jahresprognose

Die deutschen Behörden haben bis Ende Oktober knapp 760.000 Asylsuchende registriert - aber die Bundesregierung bleibt bei ihrer offiziellen Prognose von 800.000 Flüchtlingen in diesem Jahr.

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DPA

Flüchtlinge an deutsch-österreichischen Grenze: Wie viele kommen in Winter?

Die Flüchtlingszahl in Deutschland nähert sich schon jetzt der vom Bundesinnenministerium für das ganze Jahr vorausgesagten 800.000. Wie das Ministerium am Donnerstag mitteilte, wurden von Januar bis Oktober rund 758.500 neue Asylsuchende und Flüchtlinge amtlich über das Computersystem Easy als asylsuchend registriert. Allein im Oktober seien 181.200 Asylsuchende hinzugekommen. Das sind mehr als im September - da waren knapp 164.000 Zugänge von Asylsuchenden verzeichnet, im August rund 104.000.

Berücksichtigt man, dass viele Flüchtlinge erst mit Verzögerung registriert werden, dürfte die Zahl von insgesamt 800.000 schon längst übertroffen sein - selbst wenn es bei den Easy-Registrierungen Doppelterfassungen gibt. Darauf weist das Innenministerium immer wieder hin.

5000 Flüchtlinge täglich im Winter auf den griechischen Inseln

Frank-Jürgen Weise, neuer Leiter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf), hatte Anfang Oktober gesagt, Schätzungen zufolge seien 290.000 Flüchtlinge noch nicht als asylsuchend erfasst worden. Oft dauert es Wochen, bis sich ankommende Flüchtlinge als asylsuchend melden können. Die Bundesregierung hat schnellere Verfahren versprochen - aber beim zuständigen Bamf wächst der Antragsstau weiter: Die Zahl der noch unerledigten Asylanträge stieg von Ende September bis Ende Oktober um fast 30.000 auf 328.207.

Trotz der steigenden Zahlen: Eine offizielle neue Prognose der Bundesregierung zu den Flüchtlingen gibt es bislang nicht. Aus dem Innenministerium heißt es stets, verlässliche Zahlen gebe es nicht. "Die Zahl 800.000 ist seriös vorhergesagt, wenn sie sich ändert, werde ich es mitteilen", hatte Bundesinnenminister Thomas De Maizière (CDU) Ende August gesagt.

Vertreter der Länder oder auch SPD-Chef Sigmar Gabriel gehen längst von einer Million Flüchtlingen oder deutlich mehr aus. Auch Kanzlerin Angela Merkel soll Berichten zufolge beim EU-Balkangipfel den anderen Regierungschefs gesagt haben, dass Deutschland in diesem Jahr eine Million Flüchtlinge aufnehmen werde.

Brüssel rechnet mit drei Millionen Flüchtlingen bis Ende 2017

Die Uno geht davon aus, dass in den Wintermonaten täglich rund 5000 Menschen von der Türkei mit dem Boot auf die griechischen Inseln gelangen. Ein Großteil dieser Menschen wird vermutlich weiter nach Deutschland ziehen.

Auch Brüssel wagt sich an Voraussagen: Dort rechnet man mit bis zu drei Millionen Flüchtlingen, die in den kommenden zwei Jahren in die Europäische Union kommen. Diese Zahl nennt die EU-Kommission in ihrer aktuellen Wirtschaftsprognose. Nach Einschätzung Brüsselshabe die Flüchtlingskrise den EU-Staaten zwar zusätzliche Kosten aufgebürdet, in den kommenden Jahren könnte die Zuwanderung aber "einen kleinen positiven Einfluss auf die europäischen Volkswirtschaften" haben, so der Bericht. Wichtigste Aufgabe sei es, die Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Am stärksten sei Schweden betroffen, das in diesem Jahr rund 0,5 Prozent seines Bruttoinlandsproduktes in die Flüchtlingshilfe investiere.

Die EU rechnet damit, dass die Zahl der Migranten frühestens 2017 wieder sinken werde. Das hänge jedoch maßgeblich von der Entwicklung in Syrien und seinen Nachbarländern ab.

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anr/syd/Reuters/AP/dpa

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