Griechische Inseln Tausende Flüchtlinge erreichen Lesbos - Ruhe auf Kos

Lesbos wird zum zentralen Flüchtlingsort im östlichen Mittelmeer: Täglich erreichen Tausende die griechische Insel. Auf Kos dagegen hat sich die Lage plötzlich entspannt. Helfer sagen: "Es ist wie leergefegt."

Szene auf der Insel Lesbos: Ein Mann hilft einem Flüchtling an Land
REUTERS

Szene auf der Insel Lesbos: Ein Mann hilft einem Flüchtling an Land


Noch immer treffen täglich zwischen zwei- und dreitausend Flüchtlinge von der Türkei aus in Griechenland ein. Doch etwas ist neu: Inzwischen kommen fast alle von ihnen auf einer einzigen Insel an. Lesbos steht derzeit im Mittelpunkt der europäischen Flüchtlingskrise im Mittelmeerraum. Auf den anderen griechischen Inseln nahe der türkischen Küste - Kos, Chios, Samos, Kalymnos - treffen nur noch wenige ein.

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"Kos ist derzeit wie leergefegt", sagt Constance Theisen, Sprecherin der medizinischen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Griechenland. "In der vergangenen Woche kamen lediglich etwa 200 bis 250 Personen pro Tag an." Im August waren es auf dieser Insel noch über 1000 pro Tag. Dafür treffen seit einer Woche täglich 2000 bis 2500 Menschen auf Lesbos ein.

Unklar ist, warum nun so viele über Lesbos nach Europa kommen und nicht mehr über die anderen Inseln. Es ist möglich, dass es an der günstigeren Witterung liegt: Das Wasser vor der Insel ist recht ruhig. Es wird auch vermutet, dass die türkischen Behörden anderswo, etwa in Bodrum, entschiedener gegen Schleuser vorgehen. Von dort aus legen die Boote nach Kos ab. Doch Theisen weist auch daraufhin, dass sich solche Trends schnell wieder ändern können: "Die Route wechselt häufig."

300.000 Menschen sind über die griechischen Inseln eingereist

Die türkische Küste vor Lesbos ist nicht sonderlich dicht besiedelt, was es den Schleppern leichter macht, sich vor den Behörden zu verstecken. Schon immer kamen daher auf Lesbos die meisten Flüchtlinge an. Ein französischer TV-Reporter hat vor Kurzem die Überfahrt von einem absichtlich nicht genannten Abfahrtsort nach Lesbos gefilmt. Die Flüchtlinge mussten sich vor Abfahrt des kleinen Bootes einen Tag lang im Gestrüpp vor der Küste verstecken, bis die Überfahrt begann.

Bisher seien auf Lesbos keine derart extremen Zustände zu beobachten wie im August auf Kos, berichtet Theisen. Dort mussten Tausende im Freien entlang der Küstenpromenade ohne sanitäre Einrichtungen campieren. Die Flüchtlinge auf Lesbos würden von der Polizei schnell registriert und ans griechische Festland gebracht. "Sie kommen auf Lesbos an, und zwei Tage später sind sie schon in Mazedonien", sagt Theisen.

Nach Angaben des Uno-Flüchtlingswerks sind bis zum 15. September knapp 60.000 Menschen über das Mittelmeer nach Europa gekommen, also sowohl auf der Route über die griechischen Inseln als auch von Nordafrika aus. Im August waren es insgesamt 130.000. Über die griechischen Inseln kommen derzeit fast dreimal so viele Menschen wie über Italien. In den nächsten Tagen dürfte die 300.000-Marke erreicht werden.

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