Grenzsperrung in Ungarn Flüchtlinge suchen sich neue Route über Kroatien

Ungarn schottet sich mit einem Grenzzaun gegen Flüchtlinge ab. Jetzt wenden sich die Menschen Richtung Kroatien. Doch der Weg ist gefährlich, die Route gilt seit dem Bürgerkrieg als vermint.

Flüchtlinge in Ungarn: Ausweichroute über Kroatien
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Flüchtlinge in Ungarn: Ausweichroute über Kroatien


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Ungarn hat seine Grenze zu Serbien komplett abgeriegelt und damit Tausenden Flüchtlingen den Weg nach Westeuropa abgeschnitten. Verzweifelte Migranten schlugen von der serbischen Seite aus gegen das Metallgitter und forderten die Öffnung der Grenzen. Jetzt stellt sich für viele die Frage nach einem neuen Weg gen Nordwesten. Inzwischen haben sich die ersten Flüchtlinge Richtung Kroatien aufgemacht.

Erste Busse erreichen in diesen Stunden die serbische Grenzstadt Sid, berichten örtliche Medien. Die Insassen waren demnach die Nacht über unterwegs, nachdem sie von der rund 500 Kilometer entfernten Grenze zu Mazedonien gestartet waren. Laut der Nachrichtenagentur Reuters sollen bereits Dutzende Menschen das letzte Stück des Weges zur Grenze zu Fuß quer durch Getreidefelder angetreten haben. Der Weg ist nicht ganz ungefährlich. Aus den Zeiten des Unabhängigkeitskrieges liegen im kroatischen Boden noch Zigtausende Landminen vergraben. Besonders betroffen ist das Grenzgebiet zu Serbien.

Ein Reporter des Senders B92 berichtete aus dem südserbischen Ort Presevo, dort stünden weitere Busse zur Abfahrt nach Sid bereit. Ein Busfahrer wurde mit den Worten zitiert, er und seine Kollegen seien angewiesen worden, die Flüchtlinge aus Mazedonien direkt an die Grenze zu Kroatien zu bringen.

Kroatien schickt Tausende Polizisten

In Kroatien laufen örtlichen Medien zufolge bereits Vorbereitungen. An der Grenze seien 6000 Polizisten im Einsatz, erklärte ein ranghoher Polizeivertreter demnach. Alle Flüchtlinge würden zunächst registriert und mit dem Nötigsten versorgt. Es werde davon ausgegangen, dass Kroatien für die Migranten nur ein Transitland auf dem Weg nach Nordwesten sei.

Ungarn hat wegen des Andrangs von Flüchtlingen entlang seiner Grenze zu Serbien einen Grenzzaun errichtet. Am Dienstag trat überdies eine weitere Verschärfung der Einwanderungsgesetze in Kraft, wonach illegaler Grenzübertritt nun mit bis zu drei Jahren Haft bestraft wird. Zudem kündigte die Regierung an, nun auch an der Grenze zu Rumänien einen Zaun errichten zu wollen. Ungarn liegt auf der sogenannten Balkanroute, über die sich Flüchtlinge auf den Weg nach Deutschland und in andere EU-Länder machen.

Etwa 300 Flüchtlinge steckten weiter hinter dem ungarischen Grenzzaun im Nicht-EU-Land Serbien fest. Dort spielen sich erschütternde Szenen ab. "Warum tun sie das", fragte eine Afghanin mit einem Kind auf dem Arm. "Es war wirklich schlimm letzte Nacht", beschrieb der 17-jährige Baschir aus Afghanistan die Lage der Flüchtlinge. "Es war kalt, besonders für Familien mit kleinen Babys", sagte er.

An der griechisch-mazedonischen Grenze verteilen Helfer inzwischen Landkarten mit Alternativrouten, berichten serbische und kroatische Medien. Die Karte der Facebook-Gruppe "Avoid Hungary - Migration News" zeigt eine Route in die EU, die über Serbien nach Kroatien und Slowenien führt.

Verlauf des Grenzzauns in Ungarn
SPIEGEL ONLINE

Verlauf des Grenzzauns in Ungarn


Zusammengefasst: Serbien bringt Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Europa inzwischen nicht mehr zur ungarischen sondern zur kroatischen Grenze. Kroatien entsandte inzwischen 6000 Polizisten in das Gebiet. Am Morgen erreichten die ersten Flüchtlinge die Grenze. Gefahr lauert dort im Boden: Aus der Zeit des Bürgerkriegs liegen dort noch Landminen vergraben.

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