Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Flüchtlinge an Grenze zu Russland: Norwegen macht Eisroute dicht

Per Fahrrad überqueren Flüchtlinge die russische Grenze zu Norwegen. Damit soll nun Schluss sein: Die Regierung in Oslo plant ein Eilgesetz. Damit würden die meisten Menschen erst gar nicht ins Land gelassen.

Anfang der Woche hatte die norwegische Regierung bereits per Facebook mit einem härteren Kurs gegen Flüchtlinge gedroht. Nun lässt sie Taten folgen. Das Ausländergesetz soll so geändert werden, dass Asylbewerber ohne Schutzbedarf schon an der Grenze abgewiesen werden können.

Die rechtskonservative Ministerpräsidentin Erna Solberg und Justizminister Anders Anundsen stellten am Freitag ein Maßnahmenpaket vor, das schon in der nächsten Woche vom Parlament verabschiedet werden soll. Dabei geht es vor allem um den Grenzübergang zu Russland im Norden des Landes.

"Die wenigsten, die über die norwegisch-russische Grenze in Storskog einreisen, kommen tatsächlich aus Bürgerkriegsländern", sagte Solberg. Vielmehr hätten viele ein Aufenthaltsrecht in Russland und sollen nun möglichst schon am Schlagbaum abgewiesen werden. "Unsere grundsätzliche Haltung ist, dass Russland Menschen ohne Schengenvisum gar nicht erst über die Grenze lassen sollte", so Solberg.

Bis Oktober verzeichnete Norwegen laut Staatsfernsehen NRK knapp 25.000 Flüchtlinge. Ein Viertel von ihnen erreichte das rund fünf Millionen Einwohner zählende Land über die russisch-norwegische Grenze bei Kirkenes in der Nähe des Ortes Storskog - die sogenannte Eisroute. Es ist der einzige Grenzübergang zu Russland.

Seit Montag sind dort 372 Flüchtlinge eingereist - mit dem Fahrrad, denn die russischen Gesetz verbieten die Überquerung zu Fuß. Da die Räder nicht verkehrstauglich sind, wurden auf der norwegischen Seite bereits 3500 verschrottet.

Schrottreife Räder in Norwegen: Nicht mehr verkehrstauglich Zur Großansicht
AFP

Schrottreife Räder in Norwegen: Nicht mehr verkehrstauglich

Vor allem Afghanen sind betroffen

Die Regierung zielt mit ihren Maßnahmen vor allem auf Menschen aus Afghanistan ab, die inzwischen die Hälfte aller einreisenden Flüchtlinge in dem Land ausmachen. Viele haben zuvor in Russland gelebt. Sie wurden von dort ausgewiesen oder kommen nach Norwegen, weil sie sich ein besseres Leben versprechen. Die Route über Nordrussland gilt für viele Flüchtlinge inzwischen als Alternative, da die Flucht über das Mittelmeer oft lebensgefährlich ist.

Mit dem nahenden Winter wächst allerdings auch auf dem Landweg die Gefahr. Der sozialdemokratische Bürgermeister der nordnorwegischen Grenzkommune Sør-Varanger, Rune Rafaelsen, hatte im norwegischen Fernsehen bereits vor einem arktischen Lampedusa gewarnt. "Für die Menschen ist es genauso schlimm, im Mittelmeer zu ertrinken wie in den Bergen zu erfrieren."

Forum
Liebe Leserinnen und Leser,
im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf SPIEGEL ONLINE finden Sie unter diesem Text kein Forum. Leider erreichen uns zum Thema Flüchtlinge so viele unangemessene, beleidigende oder justiziable Forumsbeiträge, dass eine gewissenhafte Moderation nach den Regeln unserer Netiquette kaum mehr möglich ist. Deshalb gibt es nur unter ausgewählten Artikeln zu diesem Thema ein Forum. Wir bitten um Verständnis.

jok/dpa/AFP

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fläche: 323.787 km²

Bevölkerung: 5,166 Mio.

Hauptstadt: Oslo

Staatsoberhaupt:
König Harald V.

Regierungschefin:
Erna Solberg

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Norwegen-Reiseseite




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: