Strenge Grenzkontrollen Abschottung Schwedens erschwert Pendlern den Alltag

Schweden kontrolliert seit Montag die Ausweise aller Reisenden, die aus Dänemark kommen. Weniger Flüchtlinge sollen so ins Land gelangen. Der dänische Premier Løkke Rasmussen echauffiert sich über seine Nachbarn.

Ein Polizist kontrolliert Einreisende nach Schweden (Archiv): Zehntausende Pendler betroffen
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Ein Polizist kontrolliert Einreisende nach Schweden (Archiv): Zehntausende Pendler betroffen


Die Grenze zwischen Schweden und Dänemark wird wieder streng kontrolliert. Erstmals seit 1954 wird seit Montagmorgen jeder überwacht, der ins Land einreist. Wer mit Fähren, Zügen, Bus, Auto oder Flugzeug nach Schweden kommt, muss seinen Ausweis vorzeigen. Verkehrsunternehmen dürfen nur noch Reisende mitnehmen, die gültige Papiere haben. Ansonsten drohen ihnen hohe Strafen. Ein entsprechendes Gesetz hatte das Parlament im Dezember verabschiedet.

Zuvor hatte es nur Stichproben an der Grenze gegeben. Polizisten kontrollieren insbesondere die Brücke über den Öresund zwischen Kopenhagen und Malmö.

Mit dem Schnellzug über die Meerenge dauert die Fahrt eigentlich nur rund eine halbe Stunde, doch nun wird die Reise mehr Zeit beanspruchen. Auf der Strecke verkehren keine direkten Züge mehr: Auf dem Weg nach Schweden müssen Reisende umsteigen und dabei ihre Ausweise vorzeigen.

Zehntausende Menschen pendeln jeden Tag über die Öresundbrücke oder nehmen eine der Fähren zwischen Dänemark und Schweden. Die meisten nehmen den Zug. Sie müssen sich nun in Geduld üben. Mindestens eine Stunde mehr Zeit müssen Reisende einplanen, wenn sie eine der Fähren nehmen, hieß es am Montagmorgen.

Mit den Kontrollen will die schwedische Regierung die Zahl der ins Land kommenden Flüchtlinge begrenzen. Bisher hatte das Land eine großzügige Asylpolitik betrieben, kam aber angesichts der stark steigenden Zahl der einreisenden Migranten nach eigenen Angaben an seine Grenzen. Anfang November kamen noch rund 10.000 Migranten ins Land, Schweden will die Zahl nun auf 1000 bis 2000 Menschen senken.

Wer schreckt am meisten ab?

Dänemark kritisiert die Regierung des Nachbarlandes. Nach einer falschen Flüchtlingspolitik reiße die Regierung in Stockholm jetzt eine zusammengewachsene Region auseinander, sagte der dänische Premier Løkke Rasmussen. Seine liberale Minderheitsregierung wird seit Monaten von den Rechtspopulisten hergetrieben.

Rasmussen drohte in seiner Neujahrsansprache ebenfalls mit Grenzkontrollen: "Zum ersten Mal seit den fünfziger Jahren muss man jetzt am Öresund seinen Ausweis vorzeigen. Das zeigt, was auf dem Spiel steht. Das kann dazu führen, dass wir Grenzkontrollen zu Deutschland einführen müssen." Dies hätte dann Auswirkungen in Deutschland, befürchtet wird, dass dann Tausende Flüchtlinge dort stranden könnten.

Menschenrechtler kritisieren die Abschottungspolitik der nordischen Staaten scharf: Flüchtlinge könnten sich durch die Ausweiskontrollen abschrecken lassen und versuchen andere Wege zu finden, um nach Schweden zu gelangen - etwa mit dem Boot über die Ostsee.

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heb/dpa



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