Blockiertes Rettungsschiff Sea-Watch schaltet Menschenrechtsgerichtshof ein

Italien, die Niederlande und Deutschland verweigern die Aufnahme: Noch immer ist unklar, wo die 47 Flüchtlinge an Bord der "Sea-Watch 3" an Land gehen dürfen. Jetzt hofft die Organisation auf Rechtshilfe.

Sea-Watch 3
DPA

Sea-Watch 3


Die deutsche Hilfsorganisation Sea-Watch hat wegen ihres blockierten Rettungsschiffs den europäischen Menschenrechtsgerichtshof eingeschaltet. "Wir haben im Namen der Crew und eines Geretteten (...) ein Eilverfahren gestartet", sagte Sprecher Ruben Neugebauer. Noch immer befinden sich 47 Migranten an Bord des Schiffs. Die Crew der "Sea-Watch 3" hatte sie vor elf Tagen vor der libyschen Küste geborgen.

Zurzeit ankert die "Sea-Watch 3" vor Sizilien, Italien verweigerte trotz eines schweren Sturmtiefs das Einlaufen des Schiffs und die Aufnahme der Flüchtlinge. Innenminister Matteo Salvini besteht darauf, dass die Niederlande oder Deutschland die Flüchtlinge aufnehmen. Auch ein Appell der Uno war ohne Folgen geblieben.

Das Schiff fährt unter niederländischer Flagge, doch auch die Niederlande wollen die Flüchtlinge nicht an Land lassen. Ohne "umfassende Lösung" sei Den Haag nicht zur Aufnahme der Flüchtlinge bereit, sagte ein Sprecher des niederländischen Justizministeriums der Nachrichtenagentur AFP.

Der niederländische Migrationsminister Mark Harbers hatte am Wochenende erklärt, die Besatzung habe "auf eigene Initiative" hin die Migranten aufgenommen. Es liege deshalb in der Verantwortung des Kapitäns, einen Hafen für die Geretteten zu finden. : Die Bundesregierung zeigte sich bereit "einen solidarischen Beitrag zu leisten". Voraussetzung für die Aufnahme von Migranten von diesem Schiff in Deutschland sei aber "eine ausgewogene Verteilung auf verschiedene EU-Mitgliedstaaten".

Sea-Watch bezeichnete die Situation der Migranten auf Twitter als "politische Geiselhaft". "Vergesst sie nicht", forderte die Hilfsorganisation.

Erst vor wenigen Wochen waren 49 Flüchtlinge nach wochenlanger Irrfahrt in Malta an Land gegangen.

Anmerkung der Redaktion: In einer ursprünglichen Fassung des Artikels hieß es: "Auch die Bundesregierung hatte eine Aufnahme der Flüchtlinge vorerst abgelehnt." Das Bundespresseamt legt Wert auf die Feststellung, dass dies so nicht zutrifft. Wir haben die Passage entsprechend angepasst.

"New York Times"-Video: Rekonstruktion einer völlig missratenen Rettungsaktion

lmd/AFP/dpa

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