Flüchtlinge auf der Balkanroute Serbien schließt seine Grenze zu Mazedonien

Serbien ist umgeben von Nachbarländern, die sich gegen Flüchtlinge abschotten. Jetzt sieht sich das Land, das bislang keine Grenzen abgeriegelt hatte, offenbar gezwungen, nachzuziehen.

Flüchtlinge auf dem Weg nach Serbien (Archiv):  Grenze nach Süden dicht
AP/dpa

Flüchtlinge auf dem Weg nach Serbien (Archiv): Grenze nach Süden dicht


Serbien hat seine Südgrenze zu Mazedonien laut einem Bericht der regierungsnahen Zeitung "Novosti" geschlossen.

Die Schließung wurde damit begründet, dass der nördliche Nachbar Kroatien den bisher üblichen Weitertransport von Flüchtlingen und Migranten vom nordserbischen Sid in Richtung Slowenien eingestellt habe. In der Stadt Sid an der Grenze zu Kroatien stauten sich die Menschen, hieß es weiter.

Die Grenze sei nicht generell geschlossen, erklärte das serbische Innenministerium am Freitagnachmittag. Es werde vielmehr das am Vortag zwischen Österreich, Slowenien, Kroatien, Serbien und Mazedonien verabredete neue Grenzregime angewendet. Demnach werden alle Migranten zurückgeschickt, die keine Registrierung von der mazedonisch-griechischen Grenze vorweisen können.

In Serbien kommen immer mehr Flüchtlinge an, seit sich die Nachbarländer immer stärker gegen die Migranten abschotten. Die Grenzen Richtung Nordeuropa sind weitgehend dicht, Serbien war bisher, abgesehen von Griechenland, der einzige Staat auf der Balkanroute, der noch keine Grenzzäune gebaut oder seine Grenze nicht zumindest mit Polizei und Militär stark abgeschirmt hat.

In der serbischen Regierung waren zuletzt drastische Worte gegen die steigende Zahl von Geflüchteten zu hören: Serbien dürfe kein "Parkplatz für Flüchtlinge" werden, kein "Sammellager für Migranten auf dem Balkan", hieß es von Regierungschef Aleksandar Vucic und anderen Mitgliedern seines Kabinetts.

Vucic hatte aber wiederholt betont, Zäune und Abschottung seien keine Lösung. Der Regierungschef setzte vielmehr darauf, dass die Haltung des Landes eine Annährung an die EU beschleunigen könnte.

Gleichwohl ist Serbien ohnehin nicht in der Lage, seine Grenzen vollständig zu schließen. Selbst wenn es neben der Grenze zu Mazedonien die zu Bulgarien schlösse, bliebe die zu Kosovo offen, da Serbien das Land nicht anerkennt, sondern als abtrünnige Provinz betrachtet.

sun/dpa

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