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Flüchtlingskrise: Ungarn macht Grenzen dicht und droht mit Haftstrafen

Das letzte Schlupfloch auf der Balkan-Route der Flüchtlinge ist geschlossen - nun sperrt Ungarn den Luftraum an der serbischen Grenze. Polizei und Militär sollen ihn im Notfall nutzen. Immer mehr EU-Länder erschweren den Grenzübertritt.

Ungarn hat den Luftraum entlang der serbischen Grenze geschlossen. Ein 20 Kilometer breiter Korridor ist bis zu einer Höhe von 1350 Meter gesperrt. Der internationale Flugreiseverkehr sei nicht betroffen, teilt die Nationale Verkehrsbehörde mit. Polizei, Militär und Sanitäter sollen den Luftraum nutzen können.

Am Dienstag tritt in Ungarn ein neues Gesetz in Kraft, wonach ein illegaler Grenzübertritt als Straftat gilt. Bislang ist dies nur eine Ordnungswidrigkeit. Das Gesetz sieht unter anderem Haftstrafen für Menschen vor, die unerlaubt in das EU-Land einreisen. Noch am Montag waren nach Polizeiangaben knapp 10.000 in das Land gekommen, am Sonntag waren es 5800 gewesen.

Am Nachmittag wurde bei Röszke das letzte Schlupfloch im 175 Kilometer langen Grenzzaun zu Serbien geschlossen. Da Ungarn offensichtlich nach der vollständigen Sperrung Probleme erwartete, wurden zunächst Hunderte Polizisten zusammengezogen. Pferdestaffeln patrouillierten entlang des Zauns, Hubschrauber überflogen das Gebiet.

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Flüchtlingskrise: Europa macht dicht
Immer mehr Grenzkontrollen

Bisher ist die Lage vor Ort ruhig, berichten dpa-Reporter. Nach dem Abriegeln der Grenze sind dort am Abend kaum noch Flüchtlinge angekommen. Helfer begannen bereits, ihre Zelte abzubauen. Auf der serbischen Seite waren nur noch mehrere Dutzend Flüchtlinge zu sehen, die sich ruhig verhielten.

Die Lücke im Grenzzaun war übriggeblieben, weil dort ein Bahngleis aus Serbien nach Ungarn führt. Diesen 40 Meter breiten Durchgang hatten in den vergangenen Wochen Zehntausende Flüchtlinge genutzt. Jetzt versperrt ein mit Nato-Draht versehener Waggon die Öffnung. Damit ist diese sogenannte Balkan-Route weitgehend geschlossen.

Immer mehr EU-Staaten versuchen mit vorübergehenden Grenzkontrollen die Flüchtlingskrise in den Griff zu bekommen. Deutschland, Österreich, Tschechien, die Slowakei und die Niederlande führten Grenzkontrollen ein, Polen erwägt es.

Die neuen Regelungen sorgten jedoch vielerorts für Verwirrung. In Wien warteten Hunderte Flüchtlinge am Bahnhof auf die Weiterreise.

Österreich kündigte ebenfalls Kontrollen an. Wien reagiere damit auf Tausende Flüchtlinge, die weiter aus Ungarn kämen, und auf die Wiedereinführung der Grenzkontrollen durch Deutschland, sagte die österreichische Innenministerin Johanna Mikl-Leitner in Brüssel. Etwa 2200 Soldaten sollen bei den Grenzkontrollen helfen, wie Bundeskanzler Werner Faymann sagte. Auf österreichischen Autobahnen bildeten sich am Montag Staus von mehreren Dutzend Kilometer Länge.

kop/dpa/Reuters/AFP

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