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Flüchtlingsexodus aus Idomeni: Athen geht von organisierter Aktion aus

Hunderte Menschen haben Idomeni verlassen, ihr Ziel: Mazedonien und die Balkanroute. Athen geht davon aus, dass ein mysteriöses Flugblatt sie dazu aufforderte. Unterschrieben ist es mit "Kommando Norbert Blüm".

Es waren dramatische Szenen, die sich an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien abspielten: Hunderte Frauen, Kinder und Männer zogen vom inoffiziellen Zeltlager in Idomeni los, überquerten einen Fluss, um sich ins Nachbarland durchzuschlagen.

Die Regierung in Athen geht davon aus, dass der plötzliche Aufbruch kein Zufall war. "Wir haben in unseren Händen Flugblätter, die zeigen, dass das eine organisierte Aktion war", sagte der Sprecher des Krisenstabes für die Flüchtlingskrise. Zuvor hatte er an einer Dringlichkeitssitzung unter Vorsitz des griechischen Regierungschefs Alexis Tsipras teilgenommen. Wer hinter der Aktion gesteckt habe, war zunächst unklar.

Auf dem Flyer, der ansonsten auf Arabisch geschrieben ist, steht unten rechts: Kommando Norbert Blüm. Der Politiker hatte zuletzt Idomeni besucht und eine Nacht in dem Zeltlager verbracht.

Screenshot Flugblatt Zur Großansicht

Screenshot Flugblatt

Zudem gebe es auch andere Flyer, die die Migranten falsch informierten und sie aufforderten, nicht in andere Lager im Landesinneren zu gehen, so der griechische Sprecher. Auf den Flugblättern würden die Menschen gewarnt, nicht in Busse zu steigen, weil die Regierung in Athen plane, sie zurück in die Türkei zu bringen.
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Idomeni: Flüchtlinge suchen das Loch im Zaun

"Wir fordern die Migranten und Flüchtlinge auf, den griechischen Behörden zu vertrauen und es zu akzeptieren, in andere Lager gebracht zu werden", sagte der Sprecher. Die Lage im Flüchtlingslager Idomeni sei "absolut aussichtslos".

Griechische Medien veröffentlichten Kopien der Flugblätter, die Unbekannte an die Migranten verteilt hatten. Darin ist der Weg eingezeichnet, wie die Migranten den mazedonischen Zaun meiden können und über Umwege nach Mazedonien einreisen können. Bis zu 2000 Flüchtlinge schafften Medienberichten zufolge am Montag trotz der gesperrten Grenze die Einreise von Griechenland nach Mazedonien.

In dem Zeltlager nahe Idomeni saßen zuletzt bis zu 14.000 Menschen fest. Schwere Regenfälle in den vergangenen Tagen haben das improvisierte Camp in eine Schlammlandschaft verwandelt.

Beim Versuch, die Grenze zu überqueren, waren in der Nacht zu Montag drei Menschen gestorben. Sie ertranken in einem Fluss nahe der griechisch-mazedonischen Grenze, der durch extreme Regenfälle stark angeschwollen war.

brk/dpa

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