Flüchtlinge vor Malta Italien will Kinder und Mütter von Rettungsschiffen aufnehmen

Seit Tagen harren Flüchtlinge auf Booten vor Malta aus. Nun will Italien laut Vizeregierungschef Di Maio Kinder und Mütter an Land gehen lassen. Rom werde Europa eine "Lektion in Sachen Menschlichkeit" geben.

Sea-Watch 3
REUTERS

Sea-Watch 3


Italien zeigt sich bereit, Kinder und ihre Mütter von zwei im Mittelmeer ausharrenden zivilen Rettungsschiffen aufzunehmen. Die Boote liegen aktuell vor Malta. Der italienische Vize-Regierungschef Luigi Di Maio forderte den südeuropäischen Inselstaat auf, die Frauen und Kinder an Land gehen zu lassen und sie dann nach Italien zu schicken.

"Wir nehmen sie auf. Wir sind wieder einmal, wie immer, bereit, ganz Europa eine Lektion in Sachen Menschlichkeit zu geben", erklärte Di Maio auf Facebook.

Die beiden Schiffe der deutschen Organisationen Sea-Watch und Sea-Eye sind mit insgesamt 49 Bootsflüchtlingen an Bord seit Tagen auf dem Mittelmeer blockiert. Sea-Watch hatte mehr als 30 von ihnen vor Weihnachten aus Seenot gerettet.

Seit Antritt der italienischen Regierung im vergangenen Sommer lässt Rom zivile Rettungsschiffe nicht mehr in die Häfen des Landes einlaufen und hat damit die privaten Seenotretter erheblich unter Druck gesetzt.

Italienische Bürgermeister stellen sich gegen Rom

Der harte Kurs passt auch im eigenen Land nicht allen. Mehrere prominente Bürgermeister wehren sich gegen ein Migrationspaket von Innenminister Matteo Salvini, das die Einwanderungsgesetze drastisch verschärft hat. Neapels Bürgermeister Luigi De Magistris zeigte sich bereits offen für eine Aufnahme der Menschen auf den Booten vor Malta. Auch Palermos Bürgermeister Leoluca Orlando kündigte an, er werde sich dem "unmenschlichen" Migrationspaket widersetzen. Deutsche Städte hatten sich ebenfalls bereit erklärt, Flüchtlinge von den Schiffen aufzunehmen.

Vor der Ankündigung Di Maios hatten Menschenrechtler vermehrt zur Aufnahme der Flüchtlinge gedrängt. Die Gesundheit und Sicherheit der Kinder, Frauen und Männer an Bord der Schiffe dürfe nicht länger gefährdet werden, schrieb die Menschenrechtskommissarin des Europarats, Dunja Mijatovic, auf Twitter. "Menschlichkeit und Mitgefühl müssen die Oberhand gewinnen."

Die Bundestagsabgeordneten Erhard Grundl (Grüne), Helge Lindh, Frank Schwabe (beide SPD) und Tobias Pflüger (Linke) sowie die Europaabgeordnete Ska Keller (Grüne) prangerten nach einem Besuch auf der "Sea-Watch 3" eine "schwierige und absurde Lage" an Bord an. Die Flüchtlinge seien Opfer der "fehlenden Einigungsfähigkeit europäischer Staaten", teilten sie mit.

Lage an Bord ist verzweifelt

An Bord der "Sea-Watch 3" zeigte sich unterdessen, wie verzweifelt die Flüchtlinge inzwischen sind. Einer von ihnen sprang am Freitag über Bord, um schwimmend zu versuchen, Malta zu erreichen. "Nach ein paar Metern hat er wegen der Kälte und der Strömung aufgegeben und wurde mit einem Rettungsring zum Schiff zurückgezogen", sagte der Fotograf Federico Scoppa der Nachrichtenagentur AFP.

Flüchtling vor Malta
AFP

Flüchtling vor Malta

"Die Migranten schlafen auf dem Boden. Wir haben Hygieneprobleme", sagte der Einsatzleiter der "Sea-Watch 3", Philip Hahn, dem Sender "Radio 24". Die Lage werde "psychologisch immer schwieriger".

Sea-Watch warf den europäischen Ländern auf Twitter vor, weiter über das Schicksal der 32 Menschen an Bord zu "feilschen". "Wir mögen miserabel aussehen, aber sie sind erbärmlich", schrieb Sea-Watch in Bezug auf die EU-Ministerinnen und -Minister.

aev/dpa/AFP



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