Drama im Mittelmeer 18 Jahre Haft für Kapitän von Flüchtlingsschiff gefordert

Es war die bisher wohl schlimmste Flüchtlingstragödie im Mittelmeer - bis zu 800 Menschen starben. Ein Jahr danach droht dem mutmaßlichen Kapitän, einem 27-Jährigen Tunesier, Gefängnis.

Rettungsaktion für die Überlebenden (Archivbild)
AP

Rettungsaktion für die Überlebenden (Archivbild)


Die Schuldigen an der Flüchtlingstragödie im Mittelmeer mit bis zu 800 Toten sollen bestraft werden: Die Staatsanwaltschaft auf Sizilien hat für den mutmaßlichen Kapitän des Unglücksschiffs eine Haftstrafe von 18 Jahren gefordert.

Der Untergang hatte sich am 18. April vergangenen Jahres vor der libyschen Küste ereignet. Nur 28 Menschen überlebten die Tragödie - etwa 800 Flüchtlinge starben. Nach Angaben eines Überlebenden sollen sogar 950 Menschen an Bord des überfüllten Fischerboots gewesen sein. Das zweite schwere Unglück im Mittelmeer innerhalb von nur einer Woche löste damals heftige Kritik an der EU-Flüchtlingspolitik aus.

Bei dem Verdächtigen handele es sich um einen 27-jährigen Mann aus Tunesien, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Auch die italienische Nachrichtenseite "La Repubblica" berichtet darüber. Die Behörden in Catania werfen dem mutmaßlichen Täter vielfache fahrlässige Tötung vor. Außerdem soll er den Schiffsuntergang verursacht und Beihilfe zur illegalen Migration geleistet haben.

Unter Deck eingesperrt

Für einen weiteren mutmaßlichen Schlepper, einen 25-jährigen Syrer, seien sechs Jahre Haft beantragt worden. Beide Männer haben bisher jede Schuld bestritten und betont, sie seien einfache Passagiere auf dem Schiff gewesen. Sie waren kurz nach dem Unglück festgenommen worden.

Derzeit versucht die italienische Marine, das in einer Tiefe von 360 Metern liegende Wrack zu bergen.

Der Kutter hatte damals gegen Mitternacht ein Notsignal abgesetzt. Das portugiesische Handelsschiff "King Jacob" wollte dem Boot zu Hilfe kommen. Als sich die Portugiesen dem Schiff näherten, rannten die Flüchtlinge an Deck offenbar alle auf eine Seite, um schnell gerettet zu werden. Das Flüchtlingsboot bekam Schlagseite und kippte um. Nach Angaben der italienischen Grenzpolizei deutete alles darauf hin, dass sehr viele Menschen unter Deck eingesperrt gewesen sein mussten.

vek/dpa



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