Neues Flüchtlingsdrama Zahlreiche Menschen sterben im Mittelmeer

Weil ihr Schlauchboot kenterte, sind wieder zahlreiche Flüchtlinge im Mittelmeer gestorben. Zunächst war von acht Opfern die Rede, inzwischen gehen libysche Behörden allerdings sogar von 25 Toten aus.

Migranten am 25.07.2017 auf dem Mittelmeer vor Sabratha, Libyen
DPA

Migranten am 25.07.2017 auf dem Mittelmeer vor Sabratha, Libyen


Bei der ersten Flüchtlingstragödie des neuen Jahres im Mittelmeer sind vor der libyschen Küste mindestens acht Menschen ums Leben gekommen - womöglich aber auch deutlich mehr. Dutzende Menschen werden noch vermisst. 84 Migranten konnten nach Angaben der italienischen Küstenwache am Samstag gerettet werden.

Die Menschen waren in einem Schlauchboot unterwegs und wurden am Morgen gesichtet, wie die Küstenwache mitteilte. An der Rettungsaktion sei auch die italienische Marine beteiligt gewesen.

Die Seenotretter der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch twitterten, bei dem Unglück seien vermutlich mindestens 25 Menschen ums Leben gekommen. Ein Boot sei unterwegs zum Unglücksort.

Auch die libysche Marine erklärte inzwischen, man gehe von 25 Toten aus. Das Boot sei in internationalen Gewässern gekentert, womöglich infolge von schlechtem Wetter. Mehr als 100 Menschen seien an Bord gewesen, erklärte Brigadegeneral Ayoub Qassim. Man habe keine Mittel gehabt, um den Menschen zu Hilfe zu kommen.

"Totenzählung für 2018 hat soeben begonnen"

Die spanische Organisation Proactiva Open Arms teilte mit, Dutzende Migranten würden nach dem jüngsten Unglück vermutlich nie gefunden. "Die Totenzählung für 2018 hat soeben begonnen. Traurigkeit und Verzweiflung", twitterte der Proactiva-Gründer Oscar Camps.

Die Migrationsroute über das Mittelmeer nach Europa ist die gefährlichste der Welt. Im Jahr 2017 starben nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) 3116 Menschen beim Versuch, das Mittelmeer zu überqueren. Im Jahr zuvor waren es 5143 Tote.

Die Zahl der Menschen, die die Überfahrt überstanden lag im vergangenen Jahr bei 171.635. Im Vorjahr waren es noch 363.504. Die große Mehrzahl der Flüchtlinge kommt in Italien an, nachdem die Route zwischen der Türkei und Griechenland wegen des sogenannten Flüchtlingsdeals zwischen der EU und der türkischen Regierung kaum mehr genutzt wird. Knapp 22.000 Menschen landeten in Spanien, gute 1000 in Zypern.

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chs/dpa/AP/Reuters



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