Flüchtlingskrise Schweden führt vorübergehend Grenzkontrollen ein

Ab Donnerstag wird wieder kontrolliert: Die schwedische Regierung setzt Schengen vorübergehend außer Kraft. Wegen der großen Zahl an Flüchtlingen müssen Reisende ihre Pässe wieder vorzeigen.

Migranten in Dänemark an einem Zug nach Schweden (Archivfoto): Keine Unterkunftsgarantie
REUTERS

Migranten in Dänemark an einem Zug nach Schweden (Archivfoto): Keine Unterkunftsgarantie


Schweden führt wegen der Flüchtlingskrise vorübergehend wieder Grenzkontrollen ein. Die Rekordzahl eintreffender Flüchtlinge stelle eine Gefahr für die öffentliche Ordnung dar, teilte die Regierung am Mittwochabend in Stockholm mit.

Es handele es sich um eine vorübergehende Maßnahme, sagte Innenminister Anders Ygeman. Sie gelte von Donnerstag 12 Uhr an zunächst für zehn Tage. Betroffen sind die Zug- und Autotrassen auf der Öresundbrücke sowie die Fährverbindungen in Südschweden.

Flüchtlinge erreichen Schweden unter anderem über Deutschland, von wo es mehrere Fährverbindungen in das skandinavische Land gibt. Die Bundesrepublik hat wegen der Krise Kontrollen an der österreichisch-bayerischen Grenze wiedereingeführt.

Innenminister Anders Ygeman: Offene Grenzen seien eine "Gefahr für die öffentliche Ordnung"
AP/dpa

Innenminister Anders Ygeman: Offene Grenzen seien eine "Gefahr für die öffentliche Ordnung"

Schweden nimmt wie Deutschland zurzeit verhältnismäßig viele Flüchtlinge auf und hat ebenfalls ein vergleichsweise liberales Asylrecht. In der vergangenen Woche hatte Migrationsminister Morgan Johansson gesagt, sein Land könne Migranten keine Unterkunft mehr garantieren.

Das skandinavische Land nimmt im Verhältnis zur Bevölkerungszahl EU-weit die meisten Flüchtlinge auf. Seit September sind 80.000 Asylbewerber ins Land gereist, für 2015 rechnen die Behörden mit 190.000 Ankömmlingen.

Der Staat ist Mitglied des Schengen-Raums, in dem es normalerweise keine Grenzkontrollen mehr gibt. Das kontrollfreie Reisen hat in Skandinavien aber eine längere Tradition als im Rest Europas: Die nordischen Staaten verständigten sich darauf bereits in den Fünfzigerjahren.

sun/Reuters/AFP/dpa

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