Flüchtlingskrise Umverteilung in Europa lahmt

Die Verteilung von Flüchtlingen aus Griechenland und Italien in andere EU-Staaten kommt kaum voran. Die übrigen Länder hatten sich bereiterklärt, 160.000 Menschen aufzunehmen. Verteilt wurden bisher nicht einmal 200.

Flüchtlinge auf Lesbos: Schwierige Umverteilung
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Flüchtlinge auf Lesbos: Schwierige Umverteilung


Der Beschluss war im September gefallen. Die EU-Staaten hatten sich darauf geeinigt, Griechenland und Italien in der Flüchtlingskrise zu entlasten. 160.000 Menschen sollten auf die übrigen europäischen Länder verteilt werden. Jetzt - drei Monate später - hat das in gerade einmal in weniger als 200 Fällen geklappt. Das sind rund 0,1 Prozent.

Aus Italien wurden bisher 130 Flüchtlinge umgesiedelt und aus Griechenland 64, teilte die EU-Kommission am Dienstag mit. Vorgesehen ist laut EU-Beschluss allein für Griechenland die Verteilung von 66.400 Personen. Von den 28 EU-Mitgliedstaaten haben bisher neun Länder der Regierung in Athen die Aufnahme von Flüchtlingen angeboten.

Aber auch die Neuankömmlinge scheinen das Vorhaben nur zögerlich anzunehmen: So wurden bisher 370 Wünsche zur Umsiedlung registriert, während die EU-Grenzschutzagentur Frontex allein für November 108.000 illegale Grenzübertritte in Griechenland meldete.

In Litauen sind jetzt die ersten aus Griechenland umgesiedelten Flüchtlinge eingetroffen - eine vierköpfige Familie aus dem Irak. Sie landeten am Dienstag auf dem Flughafen der Hauptstadt Vilnius. "Ich würde in jedes Land gehen wollen, das mich vor möglichen Gefahren für mein Leben und für meine Familie schützt", zitierten litauische Medien den muslimischen Familienvater.

Die Flüchtlingsfamilie soll drei Monate im einzigen litauischen Aufnahmezentrum in Rukla untergebracht und dann in eine Gemeinde integriert werden. Litauen will in den kommenden zwei Jahren 1105 Flüchtlinge aufnehmen. Eine Erhöhung der zugesagten Zahl schloss Regierungschef Algirdas Butkevicius aus. Über eine Aufnahme weiterer Flüchtlingen brauche man nicht zu sprechen, sagte er im Rundfunk.

Schweden will die EU-Kommission vorerst von dem Umsiedelungsprogramm ausnehmen. Zunächst für ein Jahr, schlug die Behörde in Straßburg vor. "Unsere schwedischen Freunde befinden sich in einer schwierigen Lage", erklärte EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos. Allein im Oktober stellten dort nach Zahlen des EU-Statistikamts Eurostat mehr als 39.000 Menschen einen Asylantrag. Schweden hat im Verhältnis zur Bevölkerung die höchste Asylbewerberzahl unter den EU-Staaten.

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ler/dpa

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