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Flüchtlingslager Rafah: Israel zieht Panzer ab

Die israelische Armee hat am frühen Morgen mit dem Rückzug aus zwei Vierteln des Flüchtlingslagers Rafah im Gaza-Streifen begonnen. Die Suche nach Tunneln zum Einschmuggeln von Waffen aus Ägypten geht dennoch weiter. Bisher kamen mehr als 40 Palästinenser ums Leben.

Rafah: Armee "gruppiert sich um"
AP

Rafah: Armee "gruppiert sich um"

Gaza - Von dem Abzug der Panzer aus Teilen Rafahs berichtet die israelische Zeitung "Haaretz" in ihrer Internetausgabe. Sie beruft sich auf palästinensische Augenzeugen. Die meisten Panzer seien aus dem Viertel Tel Sultan in Rafah abgezogen worden. Auch den Ortsteil Brazil würden Panzer verlassen, hieß es.

Die israelische Armee bestätigte die Truppenverschiebung. Sie sprach davon, Soldaten der Militäroperation "Regenbogen" würden "umgruppiert". Die Suche nach Tunneln aus dem Gaza-Streifen nach Ägypten gehe jedoch weiter. Nach Erkenntnissen der israelischen Regierung werden die Tunnel zum Einschmuggeln von Waffen genutzt. Ein kleinerer Teil der israelischen Truppen würde für eine unbestimmte Zeit im Flüchtlingslager Rafah bleiben, hieß es weiter. Zuvor hatte das Armeeradio noch berichtet, die israelischen Streitkräfte hätten ihre Militäroperationen im südlichen Gaza-Streifen auch am vierten Tag fortgesetzt.

Israel hatte der US-Regierung zugesagt, dass es keine weiteren palästinensischen Häuser im Gaza-Streifen mehr zerstören wird. Entsprechend habe sich der stellvertretende Ministerpräsident Ehud Olmert gegenüber Außenminister Colin Powell in Washington geäußert, teilte ein Beamter des US-Außenamts am Donnerstag mit. Seit Beginn der "Operation Regenbogen" am Dienstag wurden mehr als 40 Palästinenser getötet.

Während des Treffens, das bereits am Mittwoch stattfand, habe Powell Besorgnis über die andauernde israelische Offensive im Gazastreifen zum Ausdruck gebracht, hieß es weiter. In diesem Zusammenhang habe Olmert zugesichert, dass die Zerstörungen eingestellt würden.

Der israelische Außenminister Silwan Schalom hatte sich enttäuscht über eine scharfe Verurteilung Israels durch den Uno-Sicherheitsrat wegen der Tötung palästinensischer Zivilisten und der Zerstörung von Wohnhäusern im Gaza-Streifen geäußert. In einer völkerrechtlich bindenden Resolution hatte der Rat am Mittwochabend von Israel verlangt, die Demolierung palästinensischen Wohnraums sofort einzustellen. Der von arabischen Staaten eingebrachte Entwurf wurde mit 14 von 15 möglichen Stimmen angenommen. Die USA, die Israel-kritische Beschlüsse bisher meist mit ihrem Veto verhindert hatten, enthielten sich der Stimme und ließen die Resolution damit passieren.

Auch die irische EU-Ratspräsidentschaft hatte das israelische Vorgehen verurteilt. Palästinenserpräsident Jassir Arafat sprach von einem "großen Massaker" und forderte die Staatengemeinschaft auf, Israel zu stoppen. Kurz nach Verabschiedung der Resolution drangen jedoch in der Nacht zum Donnerstag israelische Truppen in zwei weitere Viertel Rafahs ein und zerstörten dort mehrere Häuser.

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