Angriff am Pariser Flughafen Orly Die Terrorangst kehrt zurück

Ein Mann will das Gewehr einer Soldatin an sich reißen und wird erschossen: Der Angriff am Pariser Flughafen Orly schürt die Terrorangst. Präsident Hollande ruft das Land zu extremer Wachsamkeit auf.

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Nach dem Angriff auf eine Soldatin am Pariser Flughafen Orly normalisiert sich am Tatort die Lage. In Frankreich hat die Tat dagegen Erinnerungen an vergangene Terroranschläge geweckt.

Ein Mann hatte am Morgen versucht, einer patrouillierenden Soldatin die Waffe zu entreißen. Der Mann griff nach Angaben des Innenministeriums Soldaten an, die im Rahmen der Anti-Terror-Mission "Sentinelle" patrouillierten. Nach seinem Versuch, die Waffe an sich zu nehmen, rannte er demnach in ein Geschäft und wurde von einem anderen Soldaten erschossen. Ansonsten kam niemand zu Schaden.

Ein Augenzeuge berichtete, der Angreifer habe die Soldaten "als Geisel" genommen. "Er hat sie am Genick gehalten und bedrohte die beiden anderen Soldaten mit dem Gewehr der Frau." Ein "Sentinelle"-Sprecher sagte, die Frau habe einen Schock erlitten, sei aber ansonsten unversehrt.

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Flughafen Orly: Soldaten erschießen Angreifer

Nach der Attacke wurde der Süd-Terminal von Orly komplett geräumt. Die Passagiere im West-Terminal durften das Gebäude zunächst nicht verlassen. Betroffen waren Tausende Reisende. Der Flugverkehr in Orly wurde zunächst ausgesetzt. Eine Reihe von Flügen wurde zu dem im Norden von Paris gelegenen Flughafen Charles-de-Gaulle umgeleitet. Am Mittag öffnete der West-Terminal von Orly wieder. Am Nachmittag nahm auch der Süd-Terminal - Ort des Angriffs - den Flugverkehr wieder auf.

Inzwischen sind einige Details über den Angreifer bekannt. Französische Medien berichteten, es handle sich um Ziyed B., 39, geboren in Paris. Der Mann war den Behörden als Islamist bekannt und stand auf Beobachtungslisten. Sein Haus war nach den Anschlägen in Paris im November 2015 durchsucht worden. Er war wegen bewaffneten Raubüberfalls und Drogenhandels vorbestraft und wurde von der Kriminalpolizei gesucht. Ermittler befragten seinen Vater und Bruder und durchsuchten seine Wohnung im nördlichen Pariser Vorort Garges-lès-Gonesse.

Der Angriff in Orly ereignete sich gegen 8.30 Uhr. Eineinhalb Stunden zuvor war der 39-Jährige laut Innenminister Bruno Le Roux in Garges-lès-Gonesse nahe Stains von der Polizei wegen überhöhter Geschwindigkeit kontrolliert worden. Er eröffnete mit einer Schrotpistole das Feuer, verletzte einen Beamten leicht am Kopf und floh. Anschließend soll er in Vitry-sur-Seine ein Auto geraubt und außerdem Gäste in einer Bar bedroht haben.

Angreifer sei ein "besonders gefährlicher" Mann

Das Motiv des Angreifers ist unklar. Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft zog aber die Ermittlungen an sich. Präsident François Hollande sagte, Ermittlungen müssten ergeben, ob dem Angriff ein terroristischer Plan zugrunde liege. Der Angriff zeige, dass Militärpatrouillen an öffentlichen Plätzen essenziell seien. Die Nation müsse "extrem wachsam" bleiben.

Hollande schloss eine Verbindung zwischen der Attacke und der Präsidentschaftswahl am 23. April und 7. Mai. Sicherheit gilt als eines der wichtigsten Themen bei der Wahl. Seit den Anschlägen in Paris im November 2015 gilt im Land der Ausnahmezustand.

Hollande pries den Mut der Sicherheitskräfte, die wegen der Terrorgefahr derzeit an Flughäfen, Bahnhöfen und anderen gefährdeten Orten in Frankreich patrouillieren. Bei dem Angreifer habe es sich um einen "besonders gefährlichen" Mann gehandelt. Zu der "Sentinelle"-Truppe gehören rund 7500 Personen. Es sei sinnvoll, sie zur Unterstützung der Polizei einzusetzen, sagte Hollande.

Orly ist der zweitgrößte Flughafen Frankreichs, im vergangenen Jahr nutzten ihn 31,3 Millionen Fluggäste. Es gab dort schon mehrere Anschläge. Im Januar 1975 feuerten Angreifer mit einer Panzerfaust auf ein Flugzeug der israelischen Fluggesellschaft El-Al, trafen aber eine andere Maschine und verletzten drei Menschen. Zu der Attacke bekannte sich die radikale Palästinenserorganisation Schwarzer September. Wenige Tage später wurden bei einem Angriff auf ein El-Al-Flugzeug 20 Menschen verletzt.

Im Mai 1978 feuerten Angreifer auf Passagiere, die nach Tel Aviv fliegen wollten, und töteten drei Fluggäste und zwei Polizisten. Im Juni 1980 wurden bei einer Bombenexplosion, zu der sich die linksextreme Gruppierung Action directe bekannte, zwölf Menschen leicht verletzt. Im Juli 1983 schließlich tötete eine Bombe nahe dem Schalter der Fluggesellschaft Turkish Airlines acht Menschen und verletzte 54. Wegen des Anschlags wurden später drei Armenier verurteilt.

ulz/AFP/Reuters/AP

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