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Flugsicherheit "Ich will den bösen Jungs keine Nachhilfe geben"

2. Teil: "Wir können nur versuchen, es den Terroristen so schwer wie möglich zu machen"


SPIEGEL ONLINE: Wann wird es so weit kommen?

Icar: Vorerst beunruhigen uns andere Szenarien: Männer können bis zu 400 Gramm Sprengstoff in ihren Körperöffnungen verstecken, Frauen sogar noch mehr. Was, wenn mehrere Verschwörer kleine Mengen mit an Bord bringen und dort zu einem Sprengsatz zusammenbauen? Wir wissen nur eins: Wir werden die nächste Bombe nicht verhindern. Wir können aber versuchen, es den Terroristen so schwer wie möglich zu machen, sie zu zünden.

SPIEGEL ONLINE: Sprengstoff an Bord von Flugzeugen zu bringen, wird immer schwieriger. Bomben in Bussen, U-Bahnen oder Zügen zu platzieren ist ein Kinderspiel. Warum sind Flugzeuge so beliebte Attentatsziele?

Icar: Anschläge auf Flugzeuge sind - wenn man so will - ein PR-Coup: Kaum je erlangen Terroristen so viel Aufmerksamkeit mit so geringem Einsatz. Bomben an Bord von Airlinern sind zudem deshalb so effektiv, weil die Maschine innen unter Druck steht. Ein Loch in der Außenhaut kann eine Katastrophe auslösen. Und zuletzt sind Flugzeuge ein sehr symbolisches Anschlagsziel, weil sie gut bewacht sind. Die Terroristen schicken eine Botschaft: "Selbst in der Luft seid ihr nicht vor uns sicher."

SPIEGEL ONLINE: Ihre Firma floriert, weil Staaten mit aller Macht versuchen, den Terror einzudämmen. Kann das gelingen?

Icar: Nein, nicht einmal auf lange Sicht. Das große Problem ist, dass das Internet jedem das Wissen zugänglich gemacht hat, wie man aus Drogerie-Produkten eine Bombe bauen kann. Dagegen können wir uns kaum schützen: Wenn wir jeden Kauf von beispielsweise Wasserstoffperoxid überwachen wollten, würde das nicht nur Unsummen kosten, sondern auch das Ende vieler Freiheiten bedeuten. Sind wir wirklich bereit, so viel zu opfern?

SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie, dass die Erfahrungen von Fluggästen Einfluss auf die Sicherheitsmaßnahmen haben, die sie über sich ergehen lassen müssen?

Icar: Wenn morgen ein Flugzeug vom Himmel gebombt wird, werden wir nicht mal mehr im Flüsterton Einwände gegen die Bodyscanner hören. Wir lernen da anscheinend nur auf die harte Tour. Das Bedrohungsgefühl und damit die Akzeptanz von neuen Sicherheitsvorkehrungen wächst schubweise, mit jedem Anschlag. Deshalb werden die Bodyscanner erst jetzt international zum Einsatz gebracht, obwohl sie seit Jahren auf dem Markt sind. In Israel, wo wir uns täglich von Terrorismus bedroht sehen, werden sie schon seit Jahren eingesetzt.

SPIEGEL ONLINE: Wie wird das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Terroristen und den Sicherheitsbehörden weitergehen?

Icar: Die technologische Entwicklung wird nie mit dem Einfallsreichtum der Terroristen mithalten können. Staaten sind gegenüber Attentätern im Nachteil: Denn sie müssen die Rechte ihrer Bürger schützen, für Sicherheitsvorkehrungen zahlen, sind verantwortlich, wenn Tausende Passagiere ihre Flieger verpassen. Die Terroristen muss das nicht interessieren. Was wir hier sehen, ist eine neue Variante eines asymmetrischen Krieges.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Firma wirkt inkognito bei vielen der einschlägigen Terroristen-Web-Seiten mit. Juckt es Sie nicht manchmal in den Fingern, dort Bausätze für Bomben zu empfehlen, die nicht detonieren können – oder aber denjenigen töten, der versucht, sie zu bauen?

Icar: Nein, das überlassen wir den Behörden.

Das Interview führte Uli Putz.

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Avi Icar entschärfte Bomben für die israelische Armee, später studierte er Chemie. Heute baut der 40-jährige Sprengstoff-Experte selbst Bomben: Für "Terrogence", eine israelische Sicherheitsfirma, die weltweit Regierungen, Geheimdienste und Flugsicherheitsbehörden berät.



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