Flugverbotszone US-Flieger bombardieren irakische Militäreinrichtung

Amerikanische und britische Kampfflugzeuge haben militärische Ziele im Südirak angegriffen. Der Irak habe zuvor eine Drohne der USA abgeschossen, heißt es bei den US-Streitkräften. Nato-Generalsekretär George Robertson betonte indes die "moralische Verpflichtung" des nordatlantischen Bündnisses, den USA im Falle eines Krieges beizustehen.


US-Kampfflugzeug bei einer Patrouille über der Flugverbotszone im Irak
DDP

US-Kampfflugzeug bei einer Patrouille über der Flugverbotszone im Irak

Washington/London - Die Bombardierung der Ziele nahe Talil wurde vom amerikanischen Zentralkommando in einer Stellungnahme als Maßnahme der Selbstverteidigung beschrieben. Ein irakisches Kampfflugzeug vom Typ MiG-25 hatte die Drohne abgeschossen, als diese auf einem Aufklärungsflug im Osten des Landes war.

Die US-Streitkräfte erklärten, die MiG-25 sei für den Angriff in die südliche Flugverbotszone eingedrungen. Amerikanische und britische Flugzeuge kontrollieren in einer nördlichen und südlichen Zone, dass Irak die dortigen kurdischen und schiitischen Minderheiten nicht aus der Luft angreift. Irak lehnt diese seit einem Jahrzehnt geltenden Flugverbotszonen als Verletzung seiner Souveränität ab.

In einem BBC-Interview hatte Nato-Generalsekretär Robertson heute die Möglichkeit eines militärischen Alleingangs der USA ausgeschlossen. Die US-Streitkräfte könnten einen möglichen Krieg gegen den Irak allein nicht führen, sondern seien auf Stützpunkte ihrer Alliierten im Nahen Osten angewiesen.

Die Nato-Staaten stünden voll hinter der Uno-Resolution zur Abrüstung des irakischen Regimes, sagte Robertson. Wenn dieser Prozess jedoch scheitern sollte, stehe die Nato eindeutig in der "moralischen Verpflichtung, alle Hilfsanforderungen der USA zu erfüllen".

"All the way to Baghdad": Das Ziel der US-Army (hier eine Übung in der Wüste von Kuweit) ist klar.
AP

"All the way to Baghdad": Das Ziel der US-Army (hier eine Übung in der Wüste von Kuweit) ist klar.

Die USA haben ihren Partnern laut Robertson "eine Reihe von Optionen" vorgeschlagen, wie die Nato bei einer Militäraktion helfen könnte. Darüber würden jetzt Überlegungen angestellt. Entscheidungen seien noch nicht gefallen.

Nach Ansicht von Robertson könnten die USA einen Krieg gegen den Irak ohne ihre Nato-Partner nicht führen. "Es gibt immer wieder Äußerungen in dieser Richtung, aber Tatsache ist, dass Bush sein Land fest in die Strukturen der Nato sowie internationaler und multilateraler Institutionen eingebunden hat."

Saddam: Medien dürfen Gegner nicht zu Wort kommen lassen

Zum zweiten Mal binnen zweier Tage hat der irakische Staatschef Saddam Hussein sich am Mittwoch an sein Volk gewandt. In der am Abend im staatlichen Fernsehen verlesenen Rede forderte er die Medien auf, Gegner des Landes nicht zu Wort kommen zu lassen.

Die Meinung von Widersachern zu zitieren, sei ungeachtet des Zwecks der Ausstrahlung Sabotage, sagte Saddam Hussein. Weiter sprach er sich gegen eine Aufhebung des Verbots von Satellitenprogrammen aus, die am Mittwoch im Kabinett diskutiert wurde. "Ich wünsche, dass die Moral stark ist und dass das Erbe, die Geschichte, die Gemeinschaft und die Religion erhalten bleiben - und dann Satellitensender erlauben, die auf ihren Bildschirmen Dinge senden, die die Ethik verletzen?" sagte der Präsident. Wenn die Iraker ihrem Weg ohne den Einfluss solcher Versuchungen folgten, würden sie sich angesichts der "amerikanischen Aggression" gegen den Westen auflehnen.

Bereits in seiner Weihnachtsansprache an Heiligabend hatte Saddam Hussein erklärt, sein Volk sei bereit, im Heiligen Krieg einen Märtyrertod zu sterben. Die Welt stehe vor einem neuen Jahr unter einer nie da gewesenen Unsicherheit und Anspannung, die von den "Kräften des Bösen" geschaffen worden seien, sagte Saddam Hussein. Die USA und ihre Verbündeten seien längst zum Angriff gegen Irak entschlossen, obwohl das Land uneingeschränkt mit den Waffeninspektoren der Vereinten Nationen zusammenarbeite. Das Ergebnis der Kontrollen werde ein großer Schock für die USA sein und deren Lügen aufdecken, erklärte er.

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