Flugzeugabschuss in der Ukraine Poroschenko droht Separatisten mit Vergeltung

Nach dem Flugzeugabschuss mit 49 Toten in der Ostukraine hat Präsident Poroschenko landesweite Staatstrauer angeordnet. Die Tat verurteilte er als "zynischen Akt des Terrors, der bestraft werden wird".

AP/dpa

Kiew - Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat nach dem Abschuss eines Militärflugzeugs mit Vergeltung gedroht. "Die Terroristen werden die angemessene Antwort erhalten", sagte er am Samstag. Die Tat sei ein "zynischer Akt des Terrors, der bestraft werden wird".

Das ukrainische Transportflugzeug vom Typ Iljuschin IL-76 war am Samstagmorgen beim Landeanflug auf Luhansk im Osten des Landes nach Angaben der ukrainischen Regierung von Separatisten abgeschossen worden. Dabei hätten diese Boden-Luft-Raketen und großkalibrigen Maschinengewehre benutzt, hieß es in Kiew. Ein Sprecher der Separatisten sagte der Nachrichtenagentur Ria Nowosti, das Flugzeug sei mit einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen worden.

Aufnahmen einer Überwachungskamera am Flughafen Luhansk zeigen einen kurzen Blitz, als das Flugzeug getroffen wird, etwa 30 Sekunden später explodiert die Maschine beim Aufprall. 49 Menschen, neun Besatzungsmitglieder und 40 Soldaten, wurden Armeeangaben zufolge getötet.

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Kämpfe in der Ostukraine: Flugzeugabschuss in Luhansk

"Krieg Putins gegen die Ukraine"

Exverteidigungsminister Anatoli Grizenko zufolge befanden sich an Bord Fallschirmjäger einer Luftlandebrigade aus Dnjepropetrowsk. Grizenko warf dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vor, die militanten Gruppen in der Ostukraine weiter anzustacheln. "Dies ist kein Konflikt zwischen Bürgern, sondern ein Krieg Putins gegen die Ukraine", sagte er.

Poroschenko erklärte diesen Sonntag zu einem landesweiten Tag der Trauer. Auch der Generalsekretär des Europarats, Thorbjörn Jagland, zeigte sich schockiert von dem Angriff auf die Militärmaschine. Präsident Poroschenko wisse, dass er sich auf "unsere Unterstützung verlassen" könne, erklärte Jagland.

Das ukrainische Militär befindet sich seit Wochen im Einsatz gegen prorussische Kämpfer, die Luhansk, Donezk, Slowjansk und andere Städte besetzt halten. Bei einem Angriff auf ukrainische Grenzschützer in Mariupol wurden am Samstag drei ukrainische Soldaten getötet. Insgesamt sollen inzwischen mindestens 320 Kämpfer beider Seiten und Zivilisten ums Leben gekommen sein.

Angeblich Regensburgerin unter den OSZE-Geiseln

Separatisten haben weiterhin zwei OSZE-Teams in ihrer Gewalt. Unter den Verschleppten befindet sich nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung auch eine Deutsche. Die 44-Jährige sei bereits am 29. Mai in der Separatisten-Hochburg Luhansk als Geisel genommen worden. Sie habe für die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) die Lage in der umkämpften Region beobachtet. Das Auswärtige Amt wollte sich am Samstag auf Anfrage nicht zu dem Fall äußern.

Vier Beobachter aus der Schweiz, Dänemark, der Türkei und Estland waren im Gebiet Donezk unterwegs. Vier weitere, deren Nationalität die OSZE bisher nicht offenlegt, sowie eine Dolmetscherin verschwanden bei Sewerodonezk im Gebiet Luhansk. Prorussische Kräfte in der umkämpften Ostukraine erklärten, die OSZE-Teams bei sich "zu Gast zu haben". Den Ausländern gehe es gut.

heb/AFP/dpa/Reuters

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 704 Beiträge
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Seite 1
kellerkaller 14.06.2014
1.
320 Tote jeweils auf beiden Seiten! Ein abgeschossenes Flugzeug, angedrohte Vergeltung des Milliardärs für das ukrainische Volk, das von ihm nichts wissen will. Erneut der Versuch, die Russen in den Konflikt zu ziehen, indem der Minister behauptet, dass die Russen durch die Separatisten einen Stellvertreterkrieg führen! Wann endlich setzen sich die klugen Weltmänner sich an einen Tisch und beenden dieses Sterben. Die Gewaltspirale dreht sich unermüdlich weiter. Wenn ich mir überlege, was die (ukrainischen) Kämpfer vom Maidan eigentlich wollten.... und wo der Weg nun hinführt!?!
nunun 14.06.2014
2. vielleicht....
ist es möglich das die Putinversteher (auch hier im Forum) mal aufhören diesen Terror gut zu finden. Dann hört ersicher auch bald auf!
radostinsommerwald 14.06.2014
3. Poroschenkos Spiel
Zitat von sysopREUTERSNach dem Flugzeugabschuss mit 49 Toten in der Ostukraine hat Präsident Poroschenko landesweite Staatstrauer angeordnet. Die Tat verurteilte er als "zynischen Akt des Terrors, der bestraft werden wird". http://www.spiegel.de/politik/ausland/flugzeugabschuss-in-der-ukraine-poroschenko-droht-mit-vergeltung-a-975219.html
Wenn Poroschenko Pech hat wird am Ende dieses Krieges über ihn gerichtet. In der ganzen Ukraine ist kaum jemand noch auf der Seite der Putschisten. Irgendwann sind die Maidan-Truppen verheizt. Dann sterben junge Männer mit Freundin, Frau, Mutter, Kindern. Und das in einem Krieg gegen das eigene Volk - das wird das Volk ihm nicht durchgehen lassen. Jazenuk (wo steckt der eigentlich?) und Turtschinow ebenso wenig.
abc-xyz 14.06.2014
4.
Zitat von sysopREUTERSNach dem Flugzeugabschuss mit 49 Toten in der Ostukraine hat Präsident Poroschenko landesweite Staatstrauer angeordnet. Die Tat verurteilte er als "zynischen Akt des Terrors, der bestraft werden wird". http://www.spiegel.de/politik/ausland/flugzeugabschuss-in-der-ukraine-poroschenko-droht-mit-vergeltung-a-975219.html
Mit jeder weiteren verschärfenden Meldung in der russische Angriffskrieg auf die Ukraine dokumentiert wird, wird verdeutlicht, dass das Appeasement gegen Moskau die Situation verschlimmert. Putins "Novo-Rossija Projekt", dass die Zerstörung der Ukraine vorsieht, ist ein Anachronismus, den kaum jemand vor ein paar Monaten erwartet hätte. Es zeigt jedenfalls mit was für ein Verbrecherregime wir es in Moskau zu tun haben, dass mit jeden weiteren Tag in denen wir nicht reagieren nur noch mehr Unheil und Tod verursachen wird.
freespeech1 14.06.2014
5.
Was ist Poroschenko denn für ein lustiger Präsident? Hat er noch nicht mitbekommen, dass er in seinem eigenen Land Krieg gegen einen Teil der Bevölkerung führt? Als "zynischen Akt des Terrors, der bestraft" werden sollte, sehe ich eher, wenn Zivilisten von Militärs getötet werden. Darüber wird allerdings auch bei SpOn weniger gerne berichtet
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