B-52-Absturz in North Carolina USA entgingen nur knapp Atombomben-Katastrophe

Die Bombe wäre 260-mal stärker gewesen als die von Hiroshima: 1961 wäre im US-Bundesstaat North Carolina laut "Guardian" beinahe eine Atombombe detoniert. US-Behörden gewährten jetzt erstmals Einblick in geheime Unterlagen zu dem Zwischenfall.

CORBIS

Am 24. Januar 1961, vier Tage nach dem Amtsantritt von Präsident John F. Kennedy, stürzte nahe der Stadt Goldsboro in North Carolina ein B-52- Bomber der US Air Force ab. Er hatte zwei Wasserstoffbomben vom Typ Mark 39 an Bord, die beim Auseinanderbrechen des Flugzeugs in der Luft unabsichtlich abgeworfen wurden. Eine Bombe landete an einem Fallschirm hängend in einer Weide, die andere fiel in ein Sumpfgebiet und drang tief in die Erde ein.

Ein bislang geheimes Dokument liefert erstmalig den Beweis für das verheerende Potential dieses US-Militärunfalls vor mehr als 50 Jahren. Die USA sind nach einem Bericht des britischen "Guardian" dabei nur knapp einer Atomkatastrophe entgangen.

Seit dieser Zeit gab es Spekulationen darüber, welche Gefahr der Verlust der Wasserstoffbomben barg. Die US-Regierung stritt immer wieder ab, dass nukleare Waffen das Leben der US-Amerikaner gefährden könnten. Die Behörden hatten den Zwischenfall zwar bestätigt, aber nie mitgeteilt, wie nahe die Bombe vor der Explosion stand. Dass es erhebliche Sicherheitslücken gab, beweist das bislang geheime und nun im "Guardian" veröffentlichte Dokument mit dem sperrigen Titel "Goldsboro wiederholt, oder: Wie ich lernte die H-Bombe zu fürchten, oder: Um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen."

Ein letzter Schalter rettete die USA

Eine der Wasserstoffbomben reagierte im freien Fall exakt so, wie es für eine absichtlich abgeworfene Atombombe im Kriegsfall vorgesehen ist - der Fallschirm öffnete sich, und die Auslösungsmechanismen wurden betätigt. Nur ein letzter, sehr sensibler Schalter verhinderte die Detonation. Radioaktiver Niederschlag hätte sich andernfalls über Washington, Baltimore, Philadelphia und sogar New York City ausbreiten können, steht in dem von US-Autor Eric Schlosser untersuchten Papier. Millionen von Menschenleben wären damit in Gefahr gewesen. Enthüllungsjournalist Schlosser erlangte zuletzt mit seinem Buch "Fast Food Nation" international Bekanntheit.

Für sein neues Buch "Command and Control" machte Autor Schlosser von seinem Recht auf Akteneinsicht Gebrauch und forderte alte Expertisen über den Vorfall an. Er fand erstmalig den schlagkräftigen Beweis, dass die USA nur knapp einem Atomunglück entgangen sind.

Aus den Akten geht hervor, dass zunächst ein Atomphysiker des Manhattan-Projekts den Goldsboro Vorfall geschildert hatte. Das Manhattan-Projekt war ein militärisches Forschungsprojekt, in dem von 1942 an der Bau der Atombombe vorangetrieben wurde. Es hat die Atombomben entwickelt, die im August 1945 über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen wurden.

Ingenieur Parker Jones vom Sandia National Laboratories, einem Institut, das für die technische Sicherheit von Nuklearwaffen verantwortlich war, bewertete den Vorfall 1969 nochmals. Während der Atomphysiker des Manhattan-Projekts den Vorfall heruntergespielt hatte, beschreibt Jones in kommentierenden Anmerkungen, dass "nur ein einfacher, dynamoelektrischer Schwachstromschalter zwischen den Vereinigten Staaten und einer riesigen Katastrophe" stand.

Drei von vier Sicherheitsmechanismen hätten versagt. "Die Mark-39-Bombe war nicht ausreichend gesichert für den Gebrauch in einem Flugzeug", schlussfolgerte Jones.

cpa/reu

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