Flutopfer in Not: Pakistans Partner erbarmen sich

Von , Islamabad

Seit fast vier Wochen leidet Pakistan, Uno-Chef Ban warnt vor einem "Tsunami in Zeitlupe" - doch die Welt ringt sich nur langsam zu Zahlungen durch. In der Not zeigt sich nun, wer dem Land wirklich zu Hilfe kommen will: Saudi-Arabien, die USA, Deutschland, aber auch die Inder.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon fand einen griffigen Begriff, um neuen Hilfsforderungen Nachdruck zu verleihen: Die Flutkatastrophe in Pakistan gleiche einem "Tsunami in Zeitlupe", mahnte er vor dem Plenum der Uno-Vollversammlung am Donnerstagabend. Die "Kraft der Zerstörung" werde mit der Zeit nur noch größer - umso dringlicher sei es jetzt, die Summe der Zahlungen für die Katastrophenhilfe aufzustocken.

Deutschland hat die Appelle schon erhört, aber mit Verzögerung. Die Regierung versprach zunächst nur fünf Millionen Euro zu, erhöhte dann auf zehn, um nun doch 25 Millionen Euro zu überweisen. Dazu kommen nach Angaben aus Berlin noch einmal rund 43 Millionen Euro, mit denen Deutschland an Hilfsmaßnahmen der EU, der Uno und der Weltbank beteiligt ist.

Nummer eins der Geberländer, gemessen an den Soforthilfen, sind allerdings die USA: Sie hatten bislang 90 Millionen Dollar zugesagt. Außenministerin Hillary Clinton versprach am Donnerstagabend noch einmal zusätzliche 60 Millionen Dollar. Außerdem hatte Washington zunächst Transporthubschrauber und Soldaten aus Afghanistan zur Verteilung von Hilfsgütern und zur Evakuierung von Menschen in Pakistan abgezogen. Seit einer Woche sind diese Einheiten zurück in Afghanistan, stattdessen sind Soldaten vom Hubschrauberträger "USS Peleliu" im Einsatz. Das Schiff liegt derzeit im Arabischen Meer vor der Küste der südpakistanischen Millionenmetropole Karatschi.

Fotostrecke

9  Bilder
Flut in Pakistan: "Wir brauchen Hilfe - jetzt"
Auch von den vor der Flut zugesagten 7,5 Milliarden Dollar, die die USA ihrem Verbündeten im Anti-Terror-Krieg innerhalb der kommenden fünf Jahre zahlen wollen, sollen nun Mittel für den Wiederaufbau der Infrastruktur genutzt werden. Das Geld war ohnehin ausschließlich für zivile Zwecke vorgesehen.

Ein Uno-Sprecher in Islamabad sagte, von den für die Soforthilfe nötigen 459 Millionen Dollar sei erst etwa die Hälfte eingegangen. Da das Geld aber so spärlich fließt, verzichtete die Uno vorerst darauf, noch mehr zu fordern - obwohl das eigentlich nötig wäre. "Dieses Geld ist erst die Soforthilfe", sagte Manuel Bessler, Chef des Uno-Büros zur Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. "Für den Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur brauchen wir viel mehr." Pakistans Außenminister Shah Mehmood Qureshi bezifferte den Schaden, der Pakistan durch die Wassermassen entstanden sei, auf 43 Milliarden Dollar.

Hilfsangebot von Pakistans Erzfeind Indien

Einer der wichtigsten Geber für Pakistan ist Saudi-Arabien. Rund 20 Millionen Dollar sagte das Land zu, gleich zu Beginn der Krise. "Im Namen des saudischen Volkes" habe König Abdullah nun noch einmal weitere 300 Millionen Rial angewiesen, umgerechnet 80 Millionen Dollar, zitiert die Tageszeitung "Saudi Gazette" aus einer offiziellen Verlautbarung. Gut fünf Millionen Dollar davon steuere der König selbst bei, knapp drei Millionen kämen von Kronprinz Sultan bin Abdul Aziz. Die Nummer drei in der Thronfolge, Innenminister Prinz Nayef bin Abdul Aziz, gebe rund eineinhalb Millionen Dollar. Der Rest komme von diversen Gebern in Saudi-Arabien, darunter von der Saudi Development Bank.

Viele Länder dachten lange darüber nach, ob man überhaupt etwas spenden sollte. Denn Pakistan hat einen schlechten Ruf, es wird mit Terrorismus und Korruption in Verbindung gebracht. "Pakistan taumelt von Krise zu Krise, mit einer kraftlosen Wirtschaft, religiösem Extremismus und einer ungewissen politischen Situation", beschreibt der Londoner "Economist" die Lage. Nach Angaben von internationalen Hilfsorganisationen, Uno und pakistanischer Regierung ist immer noch nicht genug da, um für die rund 20 Millionen von der Flut betroffenen Menschen - ein Achtel der pakistanischen Bevölkerung - Soforthilfe zu leisten.

Knapp fünf Millionen Menschen haben ihre Häuser in den Wassermassen verloren, etwa 1600 Menschen kamen bisher ums Leben. Beobachter gehen davon aus, dass in Folge von Hunger und Krankheiten noch mehr Menschen sterben werden.

Nachbar China kämpft mit eigenen Katastrophen

Hilfe kommt ebenso von Pakistans Erzfeind Indien: Fünf Millionen Dollar hat der östliche Nachbar zugesagt. Der indische Premierminister Manmohan Singh rief seinen pakistanischen Kollegen Yousuf Raza Gilani an, um ihm "sein Mitgefühl und sein Beileid wegen der Todesfälle in Folge der gigantischen Flut auszudrücken", wie es in einer Mitteilung von Singhs Büro heißt. Indien sei bereit, noch mehr zu leisten, um Pakistan zu helfen. "In Zeiten solcher Naturkatastrophen sollte sich ganz Südasien Format zeigen und der von dieser Tragödie betroffenen pakistanischen Bevölkerung jede denkbare Hilfe zukommen lassen", sagte Singh.

Es dauerte eine Weile, bis sich Pakistan zu dem Angebot äußerte. Am Freitag sprach Außenminister Qureshi von einer "sehr willkommenen Initiative". Washington hatte Islamabad zuvor gedrängt, die Hilfe aus Neu-Delhi anzunehmen und die politische Rivalität nicht über die Bedürftigkeit der Menschen in den überfluteten Regionen zu stellen. "Da gibt es ein Land, das bereit ist zu helfen, und wir erwarten, dass Pakistan das akzeptiert", zitierten pakistanische und indische Zeitungen einen namentlich nicht genannten Mitarbeiter des US-Außenministeriums.

Summen zwischen fünf und 30 Millionen Dollar haben viele weitere Staaten in Aussicht gestellt, darunter Australien, Norwegen, Japan, die Türkei, Dänemark, Spanien, Schweden und Kuwait. Es sei also an der Zeit, ätzte der US-Sondergesandte für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, dass jetzt auch China helfe. Die pakistanische Regierung nennt China "den größten Freund unseres Landes", doch bislang hat Peking keine Summe genannt, mit der es Pakistan helfen will. Doch China muss derzeit eine eigene Naturkatastrophe bewältigen: Im Nordwesten des Landes hat ein Erdrutsch mehr als tausend Menschen unter Geröll und Schlamm begraben.

Pakistans Außenminister Qureshi verteidigte den nördlichen Nachbarn daher. Peking habe nach der Flut sehr wohl Geld zur Verfügung gestellt und für Unterkünfte und die Verpflegung von rund 27.000 Menschen gesorgt, die in Nordpakistan, an der Grenze zu China, von der Außenwelt abgeschnitten waren. Wenn man alles zusammenrechne, was China geleistet habe, sei das schon eine Menge.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Katastrophe in Pakistan - was muss jetzt geschehen?
insgesamt 318 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
kdshp 20.08.2010
Zitat von sysopSeit Wochen leidet Pakistan unter einer Flutkatastrophe. Uno-Chef Ban Ki Moon warnt vor einem "Tsunami in Zeitlupe" - doch die Welt ringt sich nur langsam zu Zahlungen durch. Braucht das Land mehr internationale Unterstützung? Und sollten auch Bürger in westlichen Staaten mehr spenden?
Hallo, ja sorry wir stecken noch voll in einer wirtschaftskrise und da ist nun mal nicht soviel geld wie sonst da und oder wird für andere wichtige dinge gebraucht. Hier könnten sich mal die staaten vor ort hervortuen wie zb. die wirtschatfsmacht china oder indien. Wachstum und reichtum verpflichten auch!
2. Prioritäten
los, 20.08.2010
Wie hoch ist der Verteidigungsetat Pakistans? In 2005 waren es fast 5 Mrd USD. Die Bereitschaft, für dieses Land zu spenden ist (in D) nicht gerade hoch. Aber wer spendet schon gerne für ein Land, daß zum einen erheblich Teil seines Geldes in ein Wettrüsten mit Indien steckt . Wenn man dann noch (hochgespielte) Kommentare aus P. hört, in der Art von "wir brauchen die Hilfe der Gottlosen/Ungläubigen nicht", und sich vor Augen führt, das in P. z.B. sein Strafrecht auf der Sharia aufgebaut hat und sehr stark islamisch geprägt ist, wird klarer, warum für Haiti oder die Tsunami-Opfer Thailands deutlich mehr Geld zusammen gekommen ist. Das Bild Pakistans in Deutschland ist kein besonders gutes und die Medien haben hierzu in der Vergangenheit erheblich beigetragen. Die Menschen dort brauchen Hilfe, keine Frage. Aber Spenden basieren eben auf Freiwilligkeit und man spendet eben lieber, wenn einem der Empfänger sympathisch ist. Und das ist bei Pakistan scheinbar eben nicht sos sehr der Fall.
3. Atommacht Paktistan
peterki 20.08.2010
Sorry, aber wer Geld für Atomwaffen hat, sollte auch in der Lage sein, seiner Bevölkerung zu helfen, ohne das der Rest der Welt das wieder bezahlen muß. So arm kann Pakistan nun doch irgendwie nicht sein.
4. Der Ton macht's
ohmscher 20.08.2010
Zitat von sysopSeit Wochen leidet Pakistan unter einer Flutkatastrophe. Uno-Chef Ban Ki Moon warnt vor einem "Tsunami in Zeitlupe" - doch die Welt ringt sich nur langsam zu Zahlungen durch. Braucht das Land mehr internationale Unterstützung? Und sollten auch Bürger in westlichen Staaten mehr spenden?
Nach der Hilfe aus dem Ausland - sie sei, wie sie sei - kommt als erstes Kritik. Da gibt man doch gleich doppelt gerne. Gleichzeitig höre ich in Interviews mit betroffenen Pakistani immer wieder die Klagen, sie seien ihren Politikern völlig gleichgültig, und die Hilfen kämen zu einem großen Teil gar nie bei ihnen an. Dann muss das Land erst gedrängt werden, von Indien Hilfe anzunehmen, und als Krönung kommt immer wieder die Drohung, wenn wir nicht helfen würden, hätten die islamischen Extremisten wieder Zulauf. Die können offensichtlich noch viel weniger wirklich helfen als das Ausland.
5. Gras essen
los, 20.08.2010
In den 70er Jahren erklärte der damalige Außenminister und spätere Premier Pakistans: Falls Indien eine Atombombe entwickle, werde Pakistan das auch tun, "selbst wenn wir Gras und Blätter essen oder hungrig bleiben müssen". Guten Appetit!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Pakistan
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • -20-

Spenden für Pakistan
Aktion Deutschland Hilft - Das Bündnis der Hilfsorganisationen
Spendenkonto 10 20 30,
Stichwort "Flut Pakistan",
Bank für Sozialwirtschaft,
BLZ 370 205 00
Ärzte ohne Grenzen
Spendenkonto 97 0 97,
Stichwort "Pakistan und andere Krisen",
Bank für Sozialwirtschaft,
BLZ 370 205 00
Bündnis Entwicklung Hilft
Spendenkonto 51 51,
Stichwort "Pakistan",
Bank für Sozialwirtschaft,
BLZ 370 205 00
Caritas
Spendenkonto 202,
Stichwort "Fluthilfe Pakistan",
Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe,
BLZ 660 205 00
CBM (Christoffel-Blindenmission)
Spendenkonto 2020,
Stichwort "Nothilfe",
Bank für Sozialwirtschaft Köln,
BLZ 370 205 00
Deutsches Rotes Kreuz
Spendenkonto 41 41 41,
Stichwort "Pakistan",
Bank für Sozialwirtschaft Köln,
BLZ 370 205 00
Diakonie Katastrophenhilfe
Spendenkonto 502 707,
Stichwort "Fluthilfe Pakistan",
Postbank Stuttgart,
BLZ 600 100 70
Humedica
Spendenkonto 47 47,
Stichwort "Fluthilfe Pakistan",
Sparkasse Kaufbeuren,
BLZ 734 500 00
Kindernothilfe
Spendenkonto 45 45 40,
Stichwort "Pakistan",
KD Bank,
BLZ 350 601 90
Oxfam
Spendenkonto 13 13 13,
Stichwort "Fluthilfe Pakistan",
Bank für Sozialwirtschaft Köln,
BLZ 370 205 00
Save the children
Spendenkonto 929,
Stichwort "Pakistan Flut",
Bank für Sozialwirtschaft,
BLZ 100 205 00
Shelter Now
Spendenkonto 25 23 058,
Stichwort: „Fluthilfe Pakistan“,
Norddeutsche Landesbank Hannover,
BLZ 250 500 00
Unicef
Spendenkonto 300 000,
Stichwort "Nothilfe Pakistan",
Bank für Sozialwirtschaft Köln,
BLZ 370 205 00
Uno-Flüchtlingshilfe
Spendenkonto 2000 88 50,
Stichwort: "Nothilfe Pakistan",
Sparkasse KölnBonn,
BLZ 370 501 98

Fläche: 796.000 km²

Bevölkerung: 184,753 Mio. Einwohner

Hauptstadt: Islamabad

Staatsoberhaupt:
Mamnoon Hussain

Regierungschef: Nawaz Sharif

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon