TV-Sender entschuldigt sich Trump triumphiert über "Flynn-Falschmeldung"

Ein TV-Reporter verbreitet eine Nachricht über Michael Flynn, die einen Fehler enthält. Donald Trump nutzt die "Falschmeldung", um die Ermittlung und Berichterstattung darüber generell infrage zu stellen.

Donald Trump
REUTERS

Donald Trump


Exakt 42 Minuten brauchte US-Präsident Donald Trump, um per Twitter auf eine öffentliche Entschuldigung des US-TV-Senders ABC zu reagieren. Trump nutzte das Eingeständnis eines inhaltlichen Fehlers in einem Bericht des ABC-Korrespondenten Brian Ross, um die Berichte über die aktuellen Vernehmungen des Ex-Präsidentenberaters Michael Flynn als "Fake News" darzustellen.

Trump lobte den Sender in seinem Tweet dafür, den Reporter wegen seines "fürchterlich unrichtigen und unehrlichen Berichts" über die "Russland-Hexenjagd" suspendiert zu haben. Der amtierende US-Präsident regte an, "mehr Sender und Zeitungen" sollten dasselbe "mit ihren Fake News" tun.

Ross war vom Sender für vier Wochen ohne Gehalt vom Dienst suspendiert worden. Der Reporter hatte im Vorfeld der Vernehmungen des ehemaligen Nationalen Sicherheitsberaters Michael Flynn berichtet, dieser werde aussagen, dass Trump ihn während des Wahlkampfs zu einer Kontaktaufnahme mit Moskau aufgefordert habe. Das tat Flynn jedoch nicht, sondern bekannte sich am Freitag nur schuldig, über seine Russlandkontakte gelogen zu haben. Die hätten aber in der Übergangszeit zwischen Wahlsieg und Amtsübernahme stattgefunden, und nicht, wie von Ross vorab behauptet, im Wahlkampf.

Zwar wurden auch diese Kontakte laut ABCs korrigiertem Bericht von Trump initiiert. Der Zeitpunkt macht sie aber weniger brisant: Untersucht wird derzeit, ob es Kontakte zwischen dem Trump-Team und Russland gab, die darauf hindeuten könnten, dass Russland in die US-Wahlen eingegriffen habe.

Das nächste Eigentor: Trump korrigiert Gründe für Flynns Entlassung

Auch diese Entwicklung kommentierte Trump fast umgehend öffentlich. Am Samstag behauptete er, genau das sei der Grund gewesen, warum er Flynn gefeuert habe: Er habe gewusst, dass sein Sicherheitsberater in den Vernehmungen zu Trumps angeblichen Russlandkontakten die Unwahrheit gesagt habe.

Offiziell trat Flynn am 13. Februar 2017 selbst zurück, so wurde das bisher dargestellt. Er soll der Trump-Administration wegen seiner öffentlich beeideten Aussagen gegenüber dem FBI und möglicherweise doch vorhandenen Russland-Kontakten als erpressbar gegolten haben. Jetzt sagt Trump: Er habe ihn gefeuert, weil er gewusst habe, dass Flynn unter Eid gelogen habe - und das ist strafbar.

Inzwischen ist Trumps PR-Team damit beschäftigt, auch diese Äußerung des Präsidenten wieder hinzubiegen. Denn mit dem Eingeständnis, von Flynns Verfehlungen gewusst zu haben, machte Trump indirekt öffentlich, dass er nicht nur über die nun angeblich wahren Gründe von Flynns Entlassung gelogen hatte, sondern auch Kenntnis von einer Straftat besaß, die er nicht anzeigte. Inzwischen heißt es aus der Trump-Administration, dieser Tweet stamme gar nicht vom Präsidenten, sondern von einem seiner Rechtsberater.

Trump twitterte in der Nacht zum Sonntag trotzdem fleißig weiter. Minuten vor seinem vergifteten Lob an ABC setzte er auch zwei Tweets über Hillary Clinton ab, die das Verfahren gegen Flynn infrage stellen: "Also General Flynn belügt das FBI, und sein Leben ist zerstört", kann man da lesen, während "die unehrliche Hillary Clinton" das FBI mehrfach belügen könne, "und ihr geschieht nichts?". Sei das Rechtssystem manipuliert, fragt der Präsident, oder messe es nur mit zweierlei Maß?

Im Zuge der Untersuchung von Sonderermittler Robert Mueller zu den Russlandkontakten des Trump-Teams sind derzeit Michael Flynn und drei weitere Ex-Berater Trumps angeklagt. Flynn hatte am 22. Dezember mit dem russischen Botschafter telefoniert - laut einem am Freitag veröffentlichten Gerichtsdokument im Auftrag eines "sehr hohen Verantwortlichen" des heutigen Präsidenten - möglicherweise Trumps Schwiegersohn Jared Kushner. In dem Telefonat ging es demnach darum zu erreichen, eine Abstimmung im Uno-Sicherheitsrat zur Verurteilung der israelischen Siedlungspolitik verschieben oder die Resolution abschmettern zu lassen. Damals war Barack Obama noch US-Präsident.

pat/AFP



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rgom 03.12.2017
1.
Was für eine traurige Witzfigur. Leider wird er noch genug Idioten finden, die er zur Gewalt aufstacheln kann im Falle seiner Amtsenthebung und Verurteilung. Ohne Gewalt wird das nicht zu Ende gehen.
Roethig.hb 03.12.2017
2.
„Trump lobte den Sender in seinem Tweet dafür, den Reporter wegen seines "fürchterlich unrichtigen und unehrlichen Berichts" über die "Russland-Hexenjagd" suspendiert zu haben. Der amtierende US-Präsident regte an, "mehr Sender und Zeitungen" sollten dasselbe "mit ihren Fake News" tun.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.
hoffnungstraeger078 03.12.2017
3. Zugegeben,
so richtig geheuer waren mir die USA noch nie. Was da nun aber läuft führt bei mir dazu, mich mit Schaudern abzuwenden. Mir ist angst und bange wenn ich daran denke, welche Knöpfe dieser Präsident drücken kann.
titoandres 03.12.2017
4. Der Glaube an die Nation?
Ein amerikanischer Präsident, der immer wieder die Justiz und das System des eigenen Staates infrage stellt: Die Schäden, die durch seine Amtszeit entstehen - nicht nur in den USA- sind nicht abzusehen. Fatal und sehr bedrückend das Ganze.
neue_mitte 03.12.2017
5.
Zitat von Roethig.hb„Trump lobte den Sender in seinem Tweet dafür, den Reporter wegen seines "fürchterlich unrichtigen und unehrlichen Berichts" über die "Russland-Hexenjagd" suspendiert zu haben. Der amtierende US-Präsident regte an, "mehr Sender und Zeitungen" sollten dasselbe "mit ihren Fake News" tun.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.
Sind Sie sicher? Dann wären die ganzen Trump-freundlichen Medien ja bald ohne Personal, wenn alle "Fake-News" Schreiber suspendiert würden. Gilt das auch für Blogs? Dann wäre das halbe Internet weg, quasi. Ich glaube nicht, dass das die Trumpeltiere möchten. Also Vorsicht mit dem Triumph jetzt.
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