Folge von Fukushima Japanische Regierung erwägt Atomausstieg

Vier Monate nach dem Fukushima-Desaster plant die japanische Regierung offenbar eine Kehrtwende in der Energiepolitk. Ministerpräsident Kan kündigte einen Atomausstieg in Etappen an - einen konkreten Termin nannte er nicht.

Naoto Kan bei einer Pressekonferenz: In Etappen zu umweltfreundlicher Energiepolitik
DPA

Naoto Kan bei einer Pressekonferenz: In Etappen zu umweltfreundlicher Energiepolitik


Tokio - Die japanische Regierung will als Konsequenz aus der Atomkatastrophe von Fukushima die Abhängigkeit von der Atomkraft beenden. Das damit verbundene Risiko sei zu groß, sagte Ministerpräsident Naoto Kan am Mittwoch. Ihm schwebe eine Gesellschaft vor, die nicht auf die Nutzung der Atomkraft setzen müsse und irgendwann auf diese Form der Energie-Erzeugung verzichten könne. Er wolle die Nation etappenweise vom Atomstrom entwöhnen, so Kan. Noch sei es aber zu früh, einen genauen Termin zu nennen.

Japans Atompolitik steht seit dem Erdbeben und dem Tsunami vom 11. März und der folgenden teilweisen Kernschmelze im Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi stark in der Kritik. Um die Bevölkerung zu beruhigen und ihr Vertrauen zurückzugewinnen, hatte die Regierung zuletzt Stresstests für alle 54 Atomkraftwerke des Landes angekündigt.

Das jedoch stellt Japan vor ein Problem: Die AKW hatten bis März 30 Prozent des Energiebedarfs der drittgrößten Volkswirtschaft abgedeckt und sollten ursprünglich bis zum Jahr 2030 sogar 53 Prozent ausmachen. Im Juni lag der Anteil unter anderem wegen zwischenzeitlicher Abschaltungen noch bei 18 Prozent, ohne dass es genügend Alternativen gäbe. Die Regierung hat die Bevölkerung wegen der massiven Stromknappheit nun bereits zum Stromsparen aufgerufen.

Ministerpräsident Kan jedoch äußerte sich überzeugt, dass die japanische Wirtschaft durch Energieeinsparungen und dezentrale Stromversorgung die Engpässe in diesem Sommer meistern werde. Künftig solle Japan erneuerbare Energien wie Solar- und Windenergie sowie Biomasse entwickeln, sagte Kan. Der zweite Pfeiler der japanischen Energiepolitik solle künftig das Energiesparen sein.

can/Reuters/dapd/dpa



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 29 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Alzheimer, 13.07.2011
1. Die Worte hör` ich wohl,
doch mir fehlt der Glaube.
CarlitoJ 13.07.2011
2. Hochtechnologie
Dass das Hochtechnologieland Japan nicht längst auf Sonne, Wind und Wasser (alles reichlich vorhanden in Jaan) umgestiegen ist und so lange an der Steinzeittechnik AKW festgehalten hat, ist sehr erstaunlich und wohl nur mit massiven, durchsetzungsfähigen ökonomischen Interessen zu erklären. Von 54 AKWs auf Null zu kommen, wird ein harter (aber notwendiger) Weg!
syracusa 13.07.2011
3. Vorbild Deuschland
Wir werden es in den nächsten Jahren noch öfters erleben, dass sich auch andere Staaten ein Beispiel am Vorbild Deutschland nehmen und aus Atomstromerzeugung aussteigen. Unsere Stromversorgung wird dadurch auf Dauer sicherer und auch preiswerter.
Bengt-Otis 13.07.2011
4. Er hat es !
Vier Monate Ohnmachtserfahrung haben Herrn Kan denken lassen. Vorsichtig zwar - aber er denkt schon laut. Mit einigem Abstand zu D kann die zukünftige japanische Polit-Muppetshow sehen wie uns die Energiewende gelingt. - Und sie wird gelingen! Wo, wenn nicht in Maschinenland D ? Egal welche Gruppierung die Realsatire im Bundestag grade orchestriert. Und in der Ukraine gibts eine prima Gelegenheit für die Sargbauer in spe zu sehen wie man DAS wohl anfängt (oder besser lässt). Zur hohen Kunst der Kernkraftzwerksrückbaus gesellt sich nun eine High-End- Fakultät: Abgerauchte Meiler entsorgen.
KlausErmecke 13.07.2011
5. Gegenrede
Zitat von CarlitoJDass das Hochtechnologieland Japan nicht längst auf Sonne, Wind und Wasser (alles reichlich vorhanden in Jaan) umgestiegen ist und so lange an der Steinzeittechnik AKW festgehalten hat, ist sehr erstaunlich und wohl nur mit massiven, durchsetzungsfähigen ökonomischen Interessen zu erklären. Von 54 AKWs auf Null zu kommen, wird ein harter (aber notwendiger) Weg!
Die Kernkraftwerke sind die moderne Technologie - allerdings hatte TEPCO, wie wir jetzt wissen, notwendige Nachrüstungsmaßnahmen unterlassen, obwohl die Notwendigkeit erkannt worden war. Sonne und Wind erlauben keine planbare Stromerzeugung und sind daher für den Betrieb eines Stromnetzes unbrauchba, auch wenn die gegenteiligen Behauptungen noch so oft wiederholt werden. Wer's nicht glaubt, gehe in der Geschichte zurück. Bis zum frühen 19. Jahrhundert stand Europa voller Windmühlen. Die wurden dann bis auf nostalgisch verehrte Restbestände allesamt abgebaut, weil Dampfmaschinen und später Stromnetze mit Wärmekraftwerken eine kontinuierliche Energienutzung ermöglichten. Japan hat keine Bodenschätze, aber ein hohes Lohnniveau. Es braucht billige Energie. Es braucht nicht unbedingt Naoto Kan.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.