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Folter bei 9/11-Verhören: Bush ordnete Waterboarding persönlich an

183 Mal wurde der mutmaßliche 9/11-Drahtzieher Chalid Scheich Mohammed dem Waterboarding unterzogen - US-Präsident George W. Bush hatte die Folter persönlich gebilligt, das enthüllt er nun in seinen Memoiren. Die CIA habe ihn um Zustimmung gebeten, Bushs Antwort damals: "Verdammt, ja."

US-Verhörmethoden: Bushs Ja zum Waterboarding Fotos
REUTERS

Washington - Der frühere US-Präsident George W. Bush hat offenbar persönlich angeordnet, dass der mutmaßliche Drahtzieher der Terroranschläge vom 11. September der umstrittenen Foltermethode Waterboarding unterworfen wurde. Dies gehe aus den bislang unveröffentlichten Teilen der Memoiren Bushs hervor, berichtete die "Washington Post" am Donnerstag unter Berufung auf einen Informanten, der das Buch bereits gelesen habe. Demnach antwortete Bush auf die Frage des Geheimdienstes CIA, ob bei dem Pakistaner Chalid Scheich Mohammed das simulierte Ertränken angewandt werden könne, mit den Worten: "Verdammt, ja" (im Original: "Damn right"). Die Memoiren sollen in der kommenden Woche in die Buchläden kommen.

Bush ging dem Bericht zufolge davon aus, dass der mutmaßliche Planer der Anschläge im Jahr 2001 Kenntnisse über weitere geplante Anschläge in den USA habe. Zudem stellt der Ex-Präsident demnach in dem Buch mit dem Titel "Decision Points" (auf Deutsch in etwa: "Momente der Entscheidung") klar, dass er diese Entscheidung erneut treffen würde, um das Leben von US-Bürgern zu schützen.

Beim Waterboarding wird dem Gefangenen während eines Verhörs das eigene Ertrinken simuliert. Der Häftling wird auf eine Bank geschnallt, mit dem Kopf nach unten. Über seinem Gesicht liegt ein Tuch, dann wird Wasser darauf gegossen. Waterboarding verursacht Todesangst, der Gefangene glaubt, tatsächlich zu ertrinken.

Im von Bush ausgerufenen "Krieg gegen den Terror" nach den Anschlägen in New York und Washington wurde diese Praxis vielfach bei Terrorverdächtigen eingesetzt. Laut offiziellen US-Angaben wurde allein Scheich Mohammed der Wasserfolter 183 Mal unterzogen. Bush selbst hat allerdings schon zuvor kundgetan, dass er die "harschen Verhörmethoden" der CIA gutgeheißen hat. Und dazu gehört unter anderem Waterboarding, aber auch Schlafentzug, Einschüchterung, Anschreien, Ohrfeigen und erzwungenes Stehen über einen Zeitraum von mehreren Stunden. Bush hat stets betont, dass man ihm versichert habe, dieses Vorgehen sei legal. Auch Bushs damaliger Vize Dick Cheney hat sich dazu bekannt, sich massiv für Waterboarding ausgesprochen zu haben. Als Folter wollen beide die Methode aber nicht verstanden wissen.

Bushs Nachfolger Barack Obama erließ nach seinem Amtsantritt Anfang 2009 ein Verbot des Waterboarding. Gleichzeitig stellte Obama jedoch auch klar, dass US-Agenten, die Gefangene mit diesen Foltermethoden unter Druck setzten, nicht juristisch belangt werden können, da sie auf Befehl von oben handelten.

ffr/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 309 Beiträge
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1. ...
D50 04.11.2010
Großartig. Und wer unterstützt diese Folterknechte? Die Regierung der BRD.
2. Na, immerhin
Ridcully 04.11.2010
Zitat von D50Großartig. Und wer unterstützt diese Folterknechte? Die Regierung der BRD.
.. einmal eine richtige Entscheidung.
3. hat leicht reden
pariah_aflame 04.11.2010
tja, man könnte meinen "schön blöd, das jetzt zuzugeben". nur leider hat bush sich selbst mit seinem amtsabtritt im voraus begnadigt. ein unfassbarer vorgang und wer sich wirklich noch fragt, warum in afghanistan an jeder ecke eine sprengfalle lauert, dem ist echt nicht mehr zu helfen. "wir" sind hier die bösen.
4. ...
mea_maxima_culpa, 04.11.2010
Die dadurch gewonnenen Information haben vlt sehr vielen Menschen das Leben gerettet.
5. ?
sonobox 04.11.2010
"George W. Bush hatte die Folter persönlich gebilligt" Wie soll man etwas auch sonst billigen, wenn nicht persoenlich? Wirklich ueberraschend ist das nun aber nicht: dass die US-Regierung gefoltert hat ist kein Geheimnis, oder wenn es eines sein soll, dann kein sehr gut gehuetetes.
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