Foltervorwürfe gegen die USA Pentagon veröffentlicht 200 Fotos von misshandelten Gefangenen

Das Pentagon hat 200 Fotos freigeben müssen. Die Bilder zeigen Gefangene in Afghanistan und im Irak, die von US-Soldaten misshandelt wurden. Weitere 2000 Aufnahmen halten die Militärs aber noch unter Verschluss.

REUTERS/ Department of Defense

Nach jahrelangem Rechtsstreit hat das Pentagon am Freitag etwa 200 Fotos veröffentlicht, die die Misshandlungen von Gefangenen durch US-Militärs in Afghanistan und im Irak dokumentieren. Die Bilder sind in den Jahren 2001 bis 2009 entstanden und waren Teil von mehreren Untersuchungen, in denen es um Folter- und Misshandlungsvorwürfe ging. Das berichten mehrere Medien übereinstimmend, darunter der "Guardian" und "Newsweek".

Geklagt auf die Freigabe der Fotos hatte laut "Guardian" die Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU). Der Rechtsstreit begann demnach im Jahr 2003. Insgesamt gehe es um gut 2100 Bilder, die im Zusammenhang mit der Untersuchung von Foltervorwürfen stehen.

Die ACLU begrüßte zwar die jüngste Freigabe der 200 Fotografien, forderte aber auch die Veröffentlichung der weiteren Bilder, die noch weitaus grausamer sein könnten. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass dies die harmlosesten Fotos sind," sagte ACLU-Anwalt Alex Abdo der Zeitung.

Die Bilder zeigen lediglich Prellungen, Hautrötungen und Bandagen, zu sehen sind meist einzig die betroffenen Körperpartien, viele der Bilder seien körnig oder unscharf, nie werde eine Person vollständig gezeigt oder die Kontext der Aufnahme erläutert, kritisierte die ACLU.

Nach Angaben des Pentagon habe die Untersuchung der Foltervorwürfe zu Maßnahmen gegen 65 Angehörige der Streitkräfte geführt - von schriftlichen Verwarnungen bis hin zu Haftstrafen.

Die Bilder, die nach wie vor unter Verschluss gehalten werden, könnten laut "Newsweek" Szenen zeigen, die noch erschreckender seien als die bereits bekannten Fotografien aus Abu Ghuraib.

otr/sun

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