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Folterskandal: US-Armee hebt Urteil gegen Abu-Ghureib-Offizier auf

Er war der einzige angeklagte Offizier im Militärprozess um die Folterungen in Abu Ghureib - jetzt hat die US-Armee entschieden, dass Oberstleutnant Steven Jordan nicht bestraft wird. Ein verwaltungsrechtlicher Verweis genüge.

Washington - Die Entscheidung des Kommandeurs des Heeresbezirks Washington ist eindeutig: Der Offizier Steven Jordan habe keine Straftat begangen, lautet die Erklärung Richard Rowes nach Militärangaben. Der Schuldspruch gegen Jordan in Form eines Bußgelds und eines Tadels sei hinfällig.

Offizier Jordan: Das US-Militär hat das Urteil gegen ihn aufgehoben
AP

Offizier Jordan: Das US-Militär hat das Urteil gegen ihn aufgehoben

Unter Berücksichtigung der Eingaben der Verteidigung sei ein verwaltungsrechtlicher Verweis ausreichend, entschied Rowe, der im vergangen Jahr den Prozess des Militärgerichts in Fort Meade bei Washington geleitet hatte. Im Gegensatz zu einem Tadel taucht ein verwaltungsrechtlicher Verweis nicht in den Akten auf.

Damit ist das Urteil vom August gegen Jordan aufgehoben: Das Kriegstribunal hatte den 51-jährigen Jordan damals förmlich wegen Missachtung von Vorgesetzten getadelt. Die schwereren Vorwürfe der Misshandlung irakischer Gefangener im Gefängnis von Abu Ghureib und der Vernachlässigung seiner Pflicht hatte das Gericht fallengelassen.

In dem Urteil wurde Jordan, dem Chef der Verhörabteilung des Gefängnisses zwischen September und Dezember 2003, lediglich zur Last gelegt, 2004 in zwei E-Mails mit einem Kollegen die Misshandlungen erörtert zu haben, obwohl er zum Schweigen über die Vorfälle aufgefordert worden war. Für die Missachtung von Anweisungen hätte er theoretisch bis zu fünf Jahre in Haft kommen können.

Menschenrechtsorganisationen hatten das damals gefällte Urteil als zu milde kritisiert.

Wegen des Folterskandals im Gefängnis Abu Ghureib im Irak sind nur Soldaten mit Mannschaftsdienstgraden verurteilt worden. Das Strafmaß reichte dabei von einigen Stunden gemeinnützigem Dienst bis zu zehn Jahren Haft. Kritiker bemängeln, dass keine hochrangigen Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen worden seien.

Der Skandal wurde 2004 durch die Veröffentlichung von Fotos ausgelöst, auf denen misshandelte Häftlinge des US-Gefängnisses zu sehen waren. Sie sorgten weltweit für Empörung.

anr/Reuters/AFP

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