Foltervorwürfe Zweites KP-Mitglied stirbt in chinesischem Geheimgefängnis

Ein chinesischer Gerichtsmitarbeiter ist unter mysteriösen Umständen gestorben - nun erhebt seine Familie schwere Anschuldigungen: Jia Jiuxiang soll in einem inoffiziellen Gefängnis zu Tode gefoltert worden sein. Es ist bereits der zweite Fall dieser Art binnen weniger Wochen.


Peking - Es ging um Bestechung, als Jia Jiuxiang am 12. April vorläufig festgenommen wurde. Als er am vergangenen Montag wieder auftauchte, konnten die Ärzte nichts mehr für ihn tun. Am Dienstag verstarb der Chinese in einem Krankenhaus in der zentralen Henan-Provinz. Laut seiner Familie wurde Jia vor seinem Tod misshandelt - in einem Geheimgefängnis der Kommunistischen Partei.

Jia hatte als Vizepräsident eines Gerichts in Sanmenxia City gearbeitet. Vor einiger Zeit hatte es zum ersten Mal Gerüchte um ihn über mögliche Korruption gegeben. Wie die Familie des Toten berichtet, hatte ein anderer Gerichtsvertreter seinen Namen im Zusammenhang mit Schmiergeldzahlungen genannt. Er wurde abgeholt, um vor einer Disziplinarkommission auszusagen.

Jias Witwe durfte den Leichnam im Krankenhaus anschauen. Laut ihrem Bericht wies dieser deutliche Spuren von Misshandlung auf. Sowohl im Gesicht als auch am Körper seien große Blutergüsse zu sehen gewesen.

"Wir glauben, dass die Kommission grausame Methoden bei der Befragung angewandt hat", sagt Jias Schwager Zhou Quiang. Der verstorbene 49-Jährige sei bis zu seinem Tod völlig gesund gewesen. Die Behörden haben eine Untersuchung angekündigt, äußern sich sonst aber nicht weiter zu den Vorwürfen.

Anfang April hatte ein ähnlicher Fall in der ostchinesischen Stadt Wenzhou für Schlagzeilen gesorgt. Dort starb ein Parteimitglied nach 38 Tagen in Haft. Auch Yu Qiyi war wegen des Verdachts auf Korruption festgesetzt worden. Sein Tod wird bisher als "Unfall" geführt.

Zahlreiche Regimekritiker haben sich nach Yus Tod zu Wort gemeldet und mehr Informationen über die geheimen Gefängnisse der Partei verlangt. Diese unterliegen keinerlei Kontrolle und stehen immer wieder im Zentrum von Vorwürfen über Menschenrechtsverletzungen.

jok/AP

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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
fatherted98 24.04.2013
1. Der neue Mann...
...an Chinas Spitze scheint seine Gegner zu eleminieren....das dürfte wohl niemand wundern.
thinkrice 24.04.2013
2.
Zitat von fatherted98...an Chinas Spitze scheint seine Gegner zu eleminieren....das dürfte wohl niemand wundern.
Genau! Irgendwelche korrupten Provinzrichter mit einem KP-Ausweis sind die natürlichen Konkurrenten und Erzfeinde für den Regierungschef eines Landes mit ~1,4 Milliarden Bewohnern. Nach ihrer Logik sind alle Gefängnisinsassen Deutschlands mit einem CDU Parteiausweis direkte Konkurrenten Merkels um den CDU Vorsitz... Bei solchen geistbefreiten Aussagen kann ich nur eine Person zitieren: "Zwei mal drei macht vier, widewidewitt und drei macht neune, ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt"
kalle-vom-dach 24.04.2013
3. @ fatherted98
So ein Quatsch. Der Tote ist Vizepräsident eines Gerichts in einer chinesischen Kleinstadt! Also wohl in Peking vollkommen unbekannt!
E_SE 24.04.2013
4. Linientreu
Zitat von kalle-vom-dachSo ein Quatsch. Der Tote ist Vizepräsident eines Gerichts in einer chinesischen Kleinstadt! Also wohl in Peking vollkommen unbekannt!
Bis zu oder ab welchem Stand interessiert sich die KP denn Ihrer Meinung nach dafür wer das richtige Recht spricht ? Ausserdem erwarte ich umgehend Verweise auf Guantanamo. Was ist denn nur aus dem Forum geworden ?
KingTut 24.04.2013
5. Rechtlosigkeit
Zitat von sysopEin chinesischer Gerichtsmitarbeiter ist unter mysteriösen Umständen gestorben - nun erhebt seine Familie schwere Anschuldigungen: Jia Jiuxiang soll in einem inoffiziellen Gefängnis zu Tode gefoltert worden sein. Es ist bereits der zweite Fall dieser Art binnen weniger Wochen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/foltervorwuerfe-politiker-stirbt-in-chinesischem-geheimgefaengnis-a-896162.html
Dieser Bericht untermauert, dass es in China keine unabhängige Judikative gibt, die für Rechtssicherheit in der chinesischen Gesellschaft sorgt. Der Bericht zeigt ferner, wie trostlos die Menschenrechtssituation in China ist. Behördenwillkür, Gängelung, Unterdrückung Andersdenkender, Folter und auch Mord sind das „Markenzeichen“ des modernen China. Schon in der Vergangenheit gab es spektakuläre Berichte über die Festnahme und das vorübergehende Verschwindenlassen von Dissidenten ohne jegliche Rechtsgrundlage, was wohl nur deswegen an die Öffentlichkeit drang, weil diese Leute so populär sind, wie z.B. der berühmte Künstler Ai Weiwei. Die Dunkelziffer wird sicher gewaltig sein, wie der folgende, sehr informative Artikel der Financial Times Deutschlands nahelegt: China: Das Drama der Pekinger Bittsteller | Premium-Artikel von FTD.de (http://www.ftd.de/politik/international/:china-das-drama-der-pekinger-bittsteller/70096797.html) Letztlich entscheidet die Kommunistische Partei, was Recht und was Unrecht ist und wer ihr dabei dazwischenfunkt spielt mit seiner Freiheit, Gesundheit oder gar seinem Leben.
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