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Foto aus Syrien: Warum eine Vierjährige vor einem Reporter kapitulierte

Ein Journalist fotografiert ein Mädchen in Syrien, es streckt die Hände in die Höhe. Das Bild geht als Tweet um die Welt und bewegt Tausende. Die BBC ist der Geschichte nachgegangen.

Auf den ersten Blick sind es nur die Kulleraugen eines kleinen Mädchens, die den Betrachter in den Bann ziehen. Dabei blickt aus den dunklen Augen blanke Angst: Das Foto des türkischen Journalisten Osman Sagirli zeigt ein vierjähriges Kind im syrischen Bürgerkrieg, das die Arme in die Höhe streckt - weil es die Kamera offenbar für eine Waffe hält.

Die Geschichte, der die britische BBC nachgegangen ist, erschüttert: Das Foto nahm Sagirli, der heute im afrikanischen Tansania arbeitet, demnach im vergangenen Dezember auf. Damals habe er die kleine Hudea im syrischen Flüchtlingslager Atmeh getroffen und aus größerer Entfernung abgelichtet. Das unbekannte Gerät mit dem länglichen Teleobjektiv habe die Vierjährige jedoch schwer erschreckt - so sehr, dass sie sich ergab.

"Ich bemerkte dann, dass sie in Panik war", sagte Sagirli der BBC. "Normalerweise rennen Kinder weg, verbergen ihr Gesicht oder lächeln, wenn sie einen Fotoapparat sehen", so der Journalist - daher sei die Situation mit Hudea so ungewöhnlich gewesen. Das Foto zeige, wie sehr sich mit Kindern die Schrecken eines Krieges bebildern ließen: "Es sind die Kinder, die Gefühle mit ihrer Unschuld am authentischsten reflektieren."

Veröffentlicht wurde das im Dezember 2014 aufgenommene Bild der BBC zufolge erst im Januar dieses Jahres in der Zeitung "Türkiye", bevor es in den sozialen Netzwerken bekannt wurde: Am vergangenen Dienstag postete die Palästinenserin Nadia Abu Shaban das Bild auf Twitter und löste damit eine Welle der Bestürzung aus.

Binnen einer Woche teilten Twitter-Nutzer Abu Shabans Tweet mehr als 14.000 Mal, auch in anderen Netzwerken verbreitet sich das Foto seither in rasendem Tempo. Die Kommentare der Nutzer spiegeln wider, wie anschaulich das Bild offenbar die Traumatisierung eines ganzen Landes nach vier Jahren Bürgerkrieg illustriert: "Ich weine gerade" und "unfassbar traurig" schreiben einige - oder: "Die Menschheit hat versagt."

Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Fassung dieses Artikels hieß es fälschlicherweise, die Aufnahme sei bereits drei Jahre alt. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

mxw

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Baschar al-Assad

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