Algier - Viele von ihnen waren gerade beim Frühstück, als die vermummten und schwerbewaffneten Männer auf die Gasanlage von Ain Amenas stürmten. Wer noch in der Kantine war, hatte keine Chance. Die Kidnapper umstellten das Gebäude und führten die Arbeiter ab. Von einer Sekunde auf die nächste wurden die Männer zu Geiseln.
Andere, wie der rumänische Arbeiter Liviu Floria oder der Brite Tony Grisedale, hatten Glück. Er frühstücke nie, sagte Grisedale der Zeitung "The Independent". Als er hörte, dass die Alarmsirene aufheulte, lief er schnell zurück in seine Wohnkabine, machte die Tür zu und die Rollladen runter. Während die Kidnapper die großen Wohnblöcke durchkämmten, blieb er unentdeckt. Zwei Tage harrte er in seiner Kabine aus, ohne Essen, bis ihn das algerische Militär befreite.
Der Rumäne Liviu Floria war am Abend vor der Geiselnahme früh zu Bett gegangen, sagte er der Zeitung "New York Times". Deswegen war er schon wach und auf dem Weg zu seinem Büro in der Mitte der Gasanlage, als die Kidnapper zum Wohnkomplex stürmten. Als er Schüsse hörte, versteckte er sich dort. Ihm stockte der Atem, als er Geräusche im Büro hörte. Doch es war nur ein Kollege, der sich ebenfalls dorthin flüchten konnte. Bis zum nächsten Morgen retteten sich weitere sechs Beschäftige des Gasterminals in ihr Versteck.
So entstanden die Handyaufnahmen
Ein algerischer Arbeiter hatte ebenfalls Glück. Heimlich machte er Fotos der Geiselnahme, die nun veröffentlicht wurden. Möglicherweise könnten die Bilder nun den algerischen Geheimdiensten dabei helfen, mehr über die Terroristen zu erfahren. Auf den Fotos ist zu sehen, wie Dutzende Arbeiter vor einem Wohngebäude zusammenkauern. Drei Bewaffnete in Tarnanzügen stehen vor ihnen. Eine andere Geisel soll heimlich Videoaufnahmen gemacht haben.
Der heimliche Fotograf ist später von den Geiselnehmern freigelassen worden. Sie hatten es hauptsächlich auf Ausländer abgesehen. Fast alle der rund 700 algerischen Arbeiter durften die Anlage verlassen.
Für Dutzende andere Menschen folgten die wohl schlimmsten Tage ihres Lebens. Die Kidnapper trieben erst die Arbeiter im Frühstücksraum zusammen, dann durchsuchten sie nacheinander die Wohnunterkünfte. Manchen wurden Sprengstoffgürtel um den Bauch gebunden. So durften sie dann ihre Angehörigen anrufen, um ihnen mitzuteilen, dass sie gerade als Geisel genommen wurden.
Andere wurden vor den Augen ihrer Kameraden exekutiert. Bis das algerische Militär Ain Amenas unter seine Kontrolle bringen konnte, wurden 37 ausländische und elf algerische Geiseln getötet. Fünf Ausländer werden nach wie vor vermisst.
ras
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